Bitstamp fordert für Geld und Kryptos einen Herkunftsnachweis

Bitstamp als eine der größten Börsen, auf denen Bitcoin und andere Kryptowährungen gehandelt werden können, fordert nun einen Herkunftsnachweis. Das bedeutet, dass Kunden von Bitstamp die Herkunft ihrer Bitcoin und Finanzmittel nachweisen müssen, besser gesagt den Beweis erbringen müssen, dass diese nicht durch die Begehung von Straftaten erlangt wurden.

Sollte der Herkunftsnachweis nicht gemäß der Anfrage von Bitstamp eingereicht werden, droht eine Accountsperre. Eine Abhebung von Kryptos oder Geld ist dann nicht mehr ohne Weiteres möglich. Der dort liegende Teil Ihres Vermögens ist faktisch eingefroren.

Auch andere Krypto-Börsen verlangen einen Mittelherkunftsnachweis

Die Frage nach dem Herkunftsnachweis für Finanzmittel ist keine Eigenart von Bitstamp, sondern betrifft alle namhaften Börsen gleichermaßen – und zwar international.

Beispielsweise verlangen auch Coinbase, Kraken, Binance, Bison / BSDEX und Bitpanda solche Nachweise. Zu diesen genannten Plattformen haben wir eigene Informationsseiten erstellt.

Die Erfahrungen von NutzerInnen mit den soeben erwähnten Krypto-Börsen ist unterschiedlich. Manche kommen „gut klar“, indem der Herkunftsnachweis für Fiat-Geld oder beispielsweise Bitcoin wie verlangt eingereicht und akzeptiert wird. Andere wiederum reichen zwar Mittelherkunftsnachweise ein, diese werden jedoch nicht oder nur teilweise angenommen. In solchen Fällen sind die Assets der betroffenen Person in Gefahr – denn ein Trading oder eine Auszahlung ist zunächst nicht mehr ohne rechtskonformen Herkunftsnachweis möglich.

Besonderheit, wenn Bitstamp einen Herkunftsnachweis fordert

Wichtig zu verstehen ist, welche Rechtslage überhaupt Anwendung findet. Denn nicht alle Krypto-Börsen unterliegen den gleichen Jurisdiktionen.

Beispielsweise ist Bitpanda in Österreich ansässig und es gilt diesbezüglich die österreichische Rechtslage zum Herkunftsnachweis. Kraken wiederum ist ein US-Unternehmen, welches nicht per se die europäische Gesetzgebung befolgen muss.

Bitstamp hat den Firmensitz in England. Dies ist deshalb interessant, da England erst kürzlich den „Brexit“ vollzogen hat und somit nicht mehr ohne Weiteres europäischem Recht unterliegt. Es gilt bezüglich Bitstamp daher primär die britische Rechtslage zum Mittelherkunftsnachweis für Bitcoin, Kryptowährungen und Geld.

Für besonders Interessierte ist der britische Sanctions and Anti-Money Laundering Act 2018 öffentlich einsehbar und auch ein Blick in „The Money Laundering, Terrorist Financing and Transfer of Funds (Information on the Payer) Regulations 2017“ ist lohnenswert (Link siehe unten).

Letzterer enthält beispielsweise folgende Bestimmungen:

Bitstamp fordert Herkunftsnachweis für Geld und Kryptowährungen
Quelle: The Money Laundering, Terrorist Financing and Transfer of Funds (Information on the Payer) Regulations 2017

Was auch immer von deutschen, österreichischen oder schweizerischen Beobachtern der politischen Lage in England zurzeit gedacht werden mag – hinsichtlich finanzieller Fragestellungen und Bankwesen ist dem Vereinten Königreich durchaus Kompetenz zuzusprechen. Es verwundert nicht, dass Bitstamp als ein im UK ansässiges Unternehmen Geldwäschevorschriften und Finanzrecht entsprechend ernst nimmt.

Wie läuft Kontakt ab, wenn Bitstamp Herkunftsnachweis fordert?

Zunächst erhalten betroffene Personen von Bitstamp eine Nachricht per Mail – die Sprache ist Englisch, auf Deutsch wird seitens Bitstamp zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommuniziert.

In dieser Nachricht zum Mittelherkunftsnachweis teilt Bitstamp der/dem NutzerIn mit, dass ein Herkunftsnachweis zu den eingezahlten Kryptowährungen oder dem verwendeten Geldguthaben erbracht werden muss. Bitstamp fordert also proaktiv den Nachweis über die Herkunft finanzieller Mittel an.

Auf diese Nachricht antworten Betroffene entsprechend mit der Einreichung von Beweismitteln. Diese Beweismittel werden sodann von Bitstamp geprüft.

Es kommt dann entweder zur Freischaltung der Guthaben, oder zur Ablehnung der eingereichten Herkunftsnachweise. Letzteres führt dazu, dass die Assets auf der Bitstamp-Plattform zunächst eingefroren werden.

Schreiben Sie vernünftiges Englisch an Bitstamp – es existierten kostenfreie Übersetzungstools

Wir empfehlen Ihnen im Falle unzureichender Englischkenntnisse ein Übersetzungsprogramm, beispielsweise Google Translate zu nutzen. Diese Übersetzungsprogramme liefern gute Ergebnisse, sodass zielsicher in Englisch kommuniziert werden kann, wenn Bitstamp einen Herkunftsnachweis fordert. Teilen Sie Bitstamp jedoch mit, dass Sie ein Übersetzungsprogramm nutzen – so weiß der Support dort Bescheid, dass Ihr Englisch womöglich deshalb „etwas maschinell daherkommt“.

Wundern Sie sich nicht, wenn seitens Bitstamp nie das Wort „Mittelherkunftsnachweis“ oder „Herkunftsnachweis“ fällt. Auf Englisch nennt sich dies u.a.:

  • origin of funds
  • proof of source of funds
  • source of wealth clarification


Als Muster für eine mögliche Kommunikation mit einer Stelle, die von Ihnen Mittelherkunftsnachweise fordert, können Ihnen unser Text auf der Seite Muster und Vorlagen sowie die auf der Seite zu ersten Schritten beschriebenen Hinweise dienen. Wie oben beschrieben, können Sie zur Übersetzung ein Onlinetool nutzen.

Worauf achten bei Bitstamp und dem Mittelherkunftsnachweis?

Den Mittelherkunftsnachweis erbringen Sie nicht dadurch erfolgreich, dass Behauptungen aufgestellt werden. Es geht darum, entsprechende Dokumente einzureichen, die die „Geschichte Ihres Geldes“ überzeugend nacherzählen.

Für den Fall, dass Bitstamp einen Herkunftsnachweis fordert, ist es essenziell zu verstehen, woher Ihre Kryptowährungen ursprünglich stammen, und/oder welche Quelle Ihre Fiateinzahlungen originär hatten.

Beispiel 1: Sie zahlen Bitcoins bei Bitstamp ein, um diese dort gegen Euro zu veräußern. Bitstamp möchte wissen, woher diese Bitcoins stammen. Damit ist nicht gemeint, nur die letzte „Station“ auf der Blockchain anzugeben. Ein Herkunftsnachweis durch die Aussage „die Bitcoins stammen aus meinem Wallet“ ist nicht ausreichend. Sie müssen darlegen, wo und wie Sie diese Bitcoins zuerst erworben haben.

Beispiel 2: Sie überweisen Euro auf Ihr Bitstamp Konto, um damit Kryptowährungen zu kaufen. Bitstamp ist nun daran gelegen zu erfahren, woher Sie diese Eurosumme eigentlich haben. Die Aussage „habe ich mir angespart“ wird nicht ausreichen – dies muss mittels Gehaltsabrechnungen, Steuererklärungen oder anderer Dokumente glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt werden.

Wer hilft, wenn Bitstamp den Herkunftsnachweis nicht annimmt?

Es kann passieren, dass Bitstamp die von Ihnen eingereichten Mittelherkunftsnachweise nicht akzeptiert. Auch nicht nach mehrfachem Schriftwechsel per Mail. Das Ergebnis ist eine Accountsperre, Ihre Assets können nicht mehr bewegt werden.

In einem solchen Fall sollten Sie sich Unterstützung von einem spezialisierten Rechtsanwalt einholen. Dieser sollte idealerweise über Erfahrungen im Umgang mit dem Herkunftsnachweis für finanzielle Mittel verfügen und bereits Fälle mit Bezug zu Krypto-Börsen bearbeitet haben. Ihr Anwalt muss ferner in der Lage sein, juristisch zielsicher auf Englisch kommunizieren zu können.

Ihr Rechtsanwalt wird Kontakt mit Bitstamp aufnehmen, um die von Ihnen eingereichten Herkunftsnachweise juristisch besser verständlich zu machen. Auch die Erstellung von rechtskonformen Mittelherkunftsnachweisen ist durch einen Anwalt möglich, falls die von Ihnen bereits eingereichten Herkunftsnachweise nicht ordnungsgemäß erstellt worden sind. Probleme bereitet den Betroffenen dies oft im Bereich des Nachweises für die Mittelherkunft von Kryptowährungen (Transaktionshistorie) und wenn die finanziellen Mittel aus einer Erbschaft oder Schenkung stammen.

Allerdings ist ein Rechtsanwalt nur dann eine echte Hilfe, wenn Ihre Situation mit Bitstamp tatsächlich an juristischem Verständnis oder Aufbereitung der rechtskonformen Herkunftsnachweise scheiterte. Wer keine Herkunftsnachweise erbringen kann, weil die Kryptowährungen oder das Euroguthaben aus dubiosen Quellen stammen, wird auch mittels eines Anwalts nicht weiterkommen können – da ein seriöser Anwalt Ihnen sicher nicht bei der Ausführung von Geldwäsche behilflich sein wird.

Fragen und Antworten zur Mittelherkunft bei Bitstamp

Dies ist in der Regel nicht nötig. Bitstamp selbst kommuniziert zwar in Englisch, verlangt aber unserer Erkenntnis nach bisher keine englischen Dokumente für Mittelherkunftsnachweise von deutschen, österreichischen oder schweizer Kunden. 

 

Sollten Ihre eingereichten Herkunftsnachweise für Bitstamp jedoch offensichtlich unglaubwürdig sein, könnte eine beglaubigte Kopie in Englisch verlangt werden.

Bitstamp ist als Finanzdienstleister gemäß englischer Rechtslage verpflichtet, die Herkunftsnachweise entsprechend aufzubewahren. Denn nur so könnten Ermittlungsbehörden im Zweifelsfall die Finanzströme der unter Geldwäscheverdacht stehenden Personen prüfen.

 

Im Übrigen speichern auch die deutschen, österreichischen und schweizer Krypto-Dienstleister solche Herkunftsnachweise für lange Zeit - da dies seitens der jeweiligen nationalen  Gesetzgeber vorgeschrieben ist. 

Für beides. Die Geldwäschevorschriften beziehen sich auf alle Arten von Finanztransaktionen, hierzu zählen sowohl Krypto-Transkationen, als auch Fiat-Überweisungen.