Bitpanda fordert von Nutzern einen Herkunftsnachweis

Die österreichische Kryptobörse Bitpanda fordert nun einen Herkunftsnachweis (genauer: Mittelherkunftsnachweis) für Fiat Geld und Kryptowährungen ihrer NutzerInnen. Dadurch setzt die Börse die jüngsten Verschärfungen des in Österreich geltenden Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes (FM-GwG) um. Zweck des Mittelherkunftsnachweises ist ein Beweis der legitimen Herkunft finanzieller Mittel. Geld oder Kryptowährungen dürfen nur dann auf auf der Kryptobörse genutzt werden, wenn diese nachweislich nicht aus Straftaten stammen.

Für NutzerInnen hat diese neue Praxis derzeit weitreichende Folgen. Wir erhalten Berichte über gesperrte Kundenkonten. Kryptowährungen und/oder Fiat Geld werden dabei bis zur den Anforderungen entsprechenden Erbringung des Herkunftsnachweises (zu Englisch übrigens: proof of source of funds, origin of funds oder source of wealth) eingefroren. Zwar richtet sich der Ärger von NutzerInnen zunächst häufig gegen Bitpanda selbst. Die Kryptobörse setzt jedoch lediglich um, was der Gesetzgeber mittlerweile von ihr verlangt.

Bitpanda fordert nur wegen verschärfter EU- Rechtslage Herkunftsnachweis

Zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erlässt der EU-Gesetzgeber bereits seit 1991 die sogenannten Geldwäscherichtlinien. Diese werden auch als sogenannte AML (Anti Money Laundering)-Richtlinien bezeichnet. Durch Überarbeitungen passt er den rechtlichen Rahmen in den EU-Mitgliedstaaten den tatsächlichen Gegebenheiten und Situationen im Bereich Geldwäsche an.

Wir haben eine Übersicht über die AML-Richtlinien in unseren FAQ bereitgestellt.

Die vom EU-Gesetzgeber erlassenen Richtlinien müssen von den Mitgliedstaaten der EU in das jeweilige nationale Recht umgesetzt werden. Es bedarf also eines nationalen Gesetzgebungsprozesses, der bis zu einer in der Richtlinie bestimmten Umsetzungsfrist abgeschlossen sein muss.

Zwar erfolgte mittlerweile bereits der Erlass der 6. Geldwäscherichtlinie („AML6“), die von den Finanzinstituten bis Anfang Juni 2021 umgesetzt werden musste. Doch war es die AML5 Richtlinie, die – und damit auch für Bitpanda – weitreichende Neuerungen im Hinblick auf den Bereich der Kryptowährungen sowie deren Börsen und Handelsplätze mit sich brachte.

Aufgrund immer strengerer Vorgaben der EU-Richtlinien wurde das österreichische FM-GwG weiter verschärft. Zu weiteren Hintergründen des FM-GwG lesen Sie gern unsere Seite über die generelle Rechtslage in Österreich.

Achtung: Nachweispflicht für Fiat Geld und Kryptowährungen

Da sich die Berichterstattung in den Medien insbesondere mit der Nachweispflicht der Herkunft von Bargeld bei Bareinzahlungen sowie dem Kauf und Verkauf von Edelmetallen beschäftigte, wird die tatsächliche Tragweite des Mittelherkunftsnachweises häufig unterschätzt.

Sowohl nach deutscher Rechtslage als auch nach österreichischem Recht reicht die Pflicht zur Vorlage eines Herkunftsnachweises deutlich weiter. Betroffen sind zahlreiche weitere Vermögenswerte. Auch bei ihnen ist die legitime Herkunft in bestimmten Situationen nachzuweisen. Und dazu zählen eben auch Vermögenswerte in Form von Kryptowährungen.

Zu besonders problematischen Konstellationen führt der Nachweis der Mittelherkunft der verschiedenen Vermögensklassen immer wieder im Bereich der Erbschaft und der Schenkung. Gerade Bitpanda tut sich oftmals schwer damit, eingereichte Erbscheine, Sterbeurkunden und Schenkungsverträge als Nachweise zu akzeptieren. Dies führt zu Frust und Problemen bei KundInnen. Wir haben deshalb unter den vorstehenden Links umfangreiche Informationen für Sie zu den Themen Erbe und Schenkung zusammengetragen.

Wie macht es Bitpanda?

Bitpanda fordert den Herkunftsnachweis deshalb nicht nur für Fiat Geld, sondern auch für jegliche Kryptowährungen, die Sie auf Ihrem Bitpanda Konto aufbewahren. Denn das FM-GwG schreibt den durch das Gesetz Verpflichteten nämlich für eine Reihe von Konstellationen die Anwendung bestimmter Sorgfaltspflichten gegenüber ihren KundInnen vor. So bestimmt beispielsweise § 5 unter anderem, dass die Sorgfaltspflichten

„(…) bei jeder Einzahlung auf Spareinlagen und bei jeder Auszahlung von Spareinlagen, wenn der ein- oder auszuzahlende Betrag mindestens 15 000 Euro oder Euro-Gegenwert beträgt;“

gegenüber KundInnen zu beachten und umzusetzen sind. Anhand der Formulierung wird deutlich, dass der österreichische Gesetzgeber eben nicht nur Bargeld vom Gesetzestext umfasst wissen wollte. Stattdessen wird explizit auf den Euro-Gegenwert Bezug genommen. Dass der Gesetzgeber dabei auch insbesondere Kryptowährungen im Auge gehabt haben dürfte, wird dadurch deutlich, dass er Kryptobörsen gleich zu Anfang des Gesetzes explizit als vom FM-GwG verpflichtet definiert:

„Dieses Bundesgesetz ist auf Kredit- und Finanzinstitute sowie auf Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen (Verpflichtete) anzuwenden.“

Anhand einer weiteren Passage wird ebenfalls deutlich, dass auch Kryptowährungen wie etwa Bitcoin vom Anwendungsbereich des Gesetzes umfasst sind. Die eben genannten Sorgfaltspflichten werden dort ihrem Umfang nach genau definiert. Zu ihnen gehört auch die Forderung des Mittelherkunftsnachweises. Denn nach dem FM-GwG umfassen die Sorgfaltspflichten gegenüber KundInnen auch

„Einholung und Überprüfung von Informationen über die Herkunft der eingesetzten Mittel; solche Informationen können unter anderem die Berufs- bzw. Geschäftstätigkeit, das Einkommen bzw. das Geschäftsergebnis oder die allgemeinen Vermögensverhältnisse des Kunden und seiner wirtschaftlichen Eigentümer umfassen;“.

Durch die allgemein gehaltene Formulierung „Herkunft der eingesetzten Mittel“ kann diese genannte Verpflichtung prinzipiell auf alle möglichen Vermögenswerte angewendet werden. Hätte der Gesetzgeber hier nur Geld gemeint, hätte er dies genau so geschrieben.

Informationen, warum Bitpanda von Nutzern Herkunftsnachweis fordert

Bitpanda selbst informiert proaktiv darüber, dass nicht nur für Fiat Geld, sondern auch für Kryptowährungen in bestimmten Situationen ein Herkunftsnachweis gefordert wird. Die Herkunft der Kryptowährungen auf Ihrem Bitpanda Account ist nämlich nicht immer Bitpanda selbst.

Die ansprechende Benutzeroberfläche ist für viele KundInnen von Bitpanda ein Grund, warum sie sich für diese Kryptobörse entscheiden. Für viele liegt es nahe, ihren vollständigen Bestand an Kryptowährungen auf ihre Wallet bei Bitpanda zu transferieren, um alle Kryptowährungen „an einem Ort“ zu haben und dort weiter mit den Coins handeln zu können.

Genau hier möchte Bitpanda nun immer öfter wissen, woher die von Ihnen auf die Bitpanda Wallet übertragenen Kryptowährungen eigentlich stammen. Ziel ist der Nachweis, dass die Coins eine legitime Herkunft haben, also nicht aus der Begehung von Straftaten gewonnen wurden.

Diese und viele weitere Informationen liefert Bitpanda in Ihrem zum Thema Mittelherkunftsnachweis erstellten Info-Artikel sowie Hilfe-Bereich.

Es finden sich dort für verschiedene Situationen sehr detaillierte Anleitungen, welche Dokumente wann vorzulegen sind. Alleine für den Fall, dass Bitpanda einen Herkunftsnachweis für auf Ihrem Account liegende Kryptowährungen fordert, unterscheidet sie nach folgenden Fallkonstellationen:

  • Ihre Kryptowährungen stammen von anderen Kryptobörsen oder Handelsplätzen
  • Mit Ihren Kryptowährungen erzielten Sie anderswo Trading-Gewinne
  • Sie haben Ihre Kryptowährungen durch Einnahmen aus Dienstleistungen erhalten (z.B. Affiliate-Programme)
  • Ihre Kryptowährungen stammen aus Initial Coin Offerings (ICO), Token Sales, Mining, Staking, Air Drops, Coin- oder Token Swaps, Lending und Liquidity Pools
  • Alle Ihre Kryptowährungen erwarben Sie bei Bitpanda selbst


Schon anhand dieser Fallkonstellationen (für Kryptowährungen!) ist ersichtlich, dass es durchaus kompliziert sein kann, der Nachweispflicht nachzukommen.

Welche Auswirkungen kann es haben, dass Bitpanda den Herkunftsnachweis fordert?

Wir erhalten immer öfter Berichte unserer LeserInnen über Schreiben von Bitpanda im Zusammenhang damit, dass Bitpanda einen Herkunftsnachweis fordert. Alle uns bislang bekannten Fälle haben die Gemeinsamkeit, dass Bitpanda die Vermögenswerte auf den Kundenkonten vorübergehend eingefroren hat. Dieser Zustand soll bestehen bleiben, bis die NutzerInnen die geforderten Mittelherkunftsnachweise eingereicht haben.

Dies belegt, dass Bitpanda die Nachweispflicht nicht nur gegenüber NeukundInnen umsetzt. Denn die uns bekannten Berichte stammen ausschließlich von BestandskundInnen. Sie betreffen sowohl Fiat Geld als auch Kryptowährungen, die Bitpanda vorübergehen einfriert.

Die Konsequenzen, die ein nicht oder nicht hinreichend vorgelegter Mittelherkunftsnachweis haben kann, sind also gravierend. Sie verlieren gegebenenfalls den vollständigen Zugriff auf Ihre auf dem Bitpanda Konto liegenden Vermögenswerte, solange Sie die Nachweispflicht nicht erfüllen. Damit kommt Bitpanda, aber auch jeder anderen Kryptobörse oder sonstigen Börse, ein enormes Druckmittel zu, um die KundInnen zur Erbringung der Nachweise zu bewegen.

In einem solchen Fall sollten Sie weder in Panik noch in Aktionismus verfallen. Auf einer gesonderten Seite geben wir Ihnen ganz grundsätzliche Tipps dazu, was Sie tun sollten, wenn Herkunftsnachweise von Ihnen gefordert werden. Zwar stellen viele Stellen, die Herkunftsnachweise fordern, entsprechende Möglichkeiten für Uploads bereit. Dennoch kann durchaus, insbesondere bei Rückfragen, eine gezielte Korrespondenz mit den Stellen nötig und sogar ratsam sein. Wir unterstützen Sie hierzu gern mit Ratschlägen und Mustern für Anschreiben.

Wertgrenze, ab der Bitpanda einen Herkunftsnachweis fordert?

Interessanterweise hält sich Bitpanda auf Ihrer Website sehr bedeckt darüber, wie hoch die Limits für Transaktionen jeglicher Art sind, bei denen die Börse keinen Herkunftsnachweis fordert. Sie verweist dort lediglich allgemein auf geltenden EU-Richtlinien. Das ist einerseits verständlich, da die durch das FM-GwG Verpflichteten beim Kampf gegen Geldwäsche kein Muster erkennen lassen möchten. Ferner obliegt jeder Stelle ein gewisser Spielraum bei ihrem Risikomanagement und ihren Risikoanalysen. Für KundInnen bedeutet dies jedoch Unsicherheit und so manche Überraschung.

Einen Anhaltspunkt – mehr aber auch nicht – für Schwellenwerte dafür, wann Bitpanda einen Herkunftsnachweis fordert, könnte das FM-GwG selbst bieten (siehe oben). Danach müssen die vom FM-GwG Verpflichteten nämlich jedenfalls dann die oben dargestellten sogenannten Sorgfaltspflichten anwenden, wenn Ein- oder Auszahlungen in Höhe von 15.000 EUR oder Krypto-Gegenwert vorgenommen werden.

Sie sollten jedoch stets bedenken Folgendes bedenken: Jeder Dienstleister, egal ob Kryptobörse, Bank, oder Broker, kann von sich aus schärfere als vom Gesetz vorgegebene Regelungen bestimmten und umsetzen. Daran dürften Dienstleister zwar unter unternehmerischen Gesichtspunkten wenig Interesse haben. Denn mehr Kontrollen führen zu mehr Unzufriedenheit der KundInnen. Es verdeutlich jedoch, dass gesetzlich vorgeschriebenes und tatsächliches Handeln der Unternehmen nicht zwingend auf gleicher Linie stehen müssen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Kryptobörsen mit der international zunehmenden Regulierung von Kryptowährungen umgehen. Auch Binance als eine der größten Krypto Börsen der Welt leitete kürzlich erste Schritte hin zur Forderung von Mittelherkunftsnachweisen von NutzerInnen ein. Die nicht weniger bekannte US-amerikanische Börse Kraken setzte die Nachweispflicht sogar auf bemerkenswerte Weise mit Anknüpfungen an das Jahreseinkommen ihrer KundInnen um. Für einen Überblick über die Regelungen weiterer Börsen für Kryptowährungen lesen Sie unsere Seiten zu Coinbase, BSDEX / Bison und Bitstamp.

Fragen und Antworten zum Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda

Bitpanda folgt mit der Forderung des Nachweises der Mittelherkunft den aktuellen Anpassungen der EU-Geldwäscherichtlinien. Diese schließen nun auch den Handel von Kryptowährungen mit ein. Ab welchen Grenzwerten Bitpanda die Herkunftsnachweise fordert, liegt im dortigen Ermessen und kann daher nicht mit Sicherheit beantwortet werden.

Bitpanda steht ein weiter Ermessensspielraum dabei zu, Herkunftsnachweise als ausreichend oder nicht ausreichend zu bewerten. Dies bietet Ihnen jedoch auch die Möglichkeit, durch plausible Darstellung Ihrer Mittelherkunft den Nachweis auch nach erfolgter Ablehnung noch zu erbringen. Sie können immer wieder "nachlegen", sollten aber - insbesondere wenn Ihre Vermögenswerte eingefroren wurden - irgendwann über professionelle Unterstützung nachdenken.

Es besteht im Prozedere des Herkunftsnachweises keine zeitliche Frist, innerhalb derer Sie den Mittelherkunftsnachweis erbringen müssen. Sie können jedoch gegebenenfalls dann unter Druck geraten, wenn Bitpanda bis zur Vorlage der Nachweise Ihre Vermögenswerte einfriert.