Bitpanda fordert Mittelherkunftsnachweis? Deaktivierter und gesperrter Account droht!

Die österreichische Kryptobörse Bitpanda fordert von seinen Nutzerinnen und Nutzern immer öfter einen Mittelherkunftsnachweis (auch: Herkunftsnachweis) für Fiat Geld und Kryptowährungen. Dadurch setzt die Börse die jüngsten Verschärfungen des in Österreich geltenden Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes (FM-GwG) um. Zweck des Mittelherkunftsnachweises ist ein Beweis der legitimen Herkunft finanzieller Mittel. Geld oder Kryptowährungen dürfen nur dann auf auf der Kryptobörse genutzt werden, wenn diese nachweislich nicht aus Straftaten stammen. Im englischsprachigen Raum ist die Thematik unter den Begriffen proof of source of funds, origin of funds oder source of wealth bekannt.

Für Nutzer hat diese neue Praxis derzeit weitreichende Folgen: Wir erhalten zahlreiche Berichte darüber, dass Bitpanda einen Nachweis für die Herkunft der Fiatmittel und Kryptomittel fordert und bis zur Klärung den Account deaktiviert. Es ist dann kein Login in den Bitpanda Account mehr möglich. Dadurch, dass das Konto der Nutzer gesperrt wird, ist deren Guthaben an Kryptowährungen und Fiat Geld bis zur Erbringung des Mittelherkunftsnachweises eingefroren.

Bitpanda fordert Mittelherkunftsnachweis wegen EU-Recht

Zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erlässt der EU-Gesetzgeber bereits seit 1991 die sogenannten Geldwäscherichtlinien. Diese werden auch als sogenannte AML (Anti Money Laundering)-Richtlinien bezeichnet. Durch Überarbeitungen passt er den rechtlichen Rahmen in den EU-Mitgliedstaaten den tatsächlichen Gegebenheiten und Situationen im Bereich Geldwäsche an.

Wir haben eine Übersicht über die AML-Richtlinien in unseren FAQ bereitgestellt.

Die vom EU-Gesetzgeber erlassenen Richtlinien müssen von den Mitgliedstaaten der EU in das jeweilige nationale Recht umgesetzt werden. Es bedarf also eines nationalen Gesetzgebungsprozesses, der bis zu einer in der Richtlinie bestimmten Umsetzungsfrist abgeschlossen sein muss.

Zwar erfolgte mittlerweile bereits der Erlass der 6. Geldwäscherichtlinie („AML6“), die von den Finanzinstituten bis Anfang Juni 2021 umgesetzt werden musste. Doch war es die AML5 Richtlinie, die – und damit auch für Bitpanda – weitreichende Neuerungen im Hinblick auf den Bereich der Kryptowährungen sowie deren Börsen und Handelsplätze mit sich brachte.

Aufgrund immer strengerer Vorgaben der EU-Richtlinien wurde das österreichische FM-GwG weiter verschärft. Zu weiteren Hintergründen des FM-GwG lesen Sie gern unsere Seite über die generelle Rechtslage in Österreich.

Achtung: Nachweispflicht für Fiat Geld und Kryptowährungen

Da sich die Berichterstattung in den Medien insbesondere mit der Nachweispflicht der Herkunft von Bargeld bei Bareinzahlungen sowie dem Kauf und Verkauf von Edelmetallen beschäftigte, wird die tatsächliche Tragweite des Mittelherkunftsnachweises häufig unterschätzt.

Sowohl nach deutscher Rechtslage als auch nach österreichischem Recht reicht die Pflicht zur Vorlage eines Herkunftsnachweises deutlich weiter. Betroffen sind zahlreiche weitere Vermögenswerte. Auch bei ihnen ist die legitime Herkunft in bestimmten Situationen nachzuweisen. Und dazu zählen eben auch Vermögenswerte in Form von Kryptowährungen.

Zu besonders problematischen Konstellationen führt der Nachweis der Mittelherkunft der verschiedenen Vermögensklassen immer wieder im Bereich der Erbschaft und der Schenkung. Gerade Bitpanda tut sich oftmals schwer damit, eingereichte Erbscheine, Sterbeurkunden und Schenkungsverträge als Nachweise zu akzeptieren. Dies führt zu Frust und Problemen bei Kunden. Wir haben deshalb unter den vorstehenden Links umfangreiche Informationen für Sie zu den Themen Erbe und Schenkung zusammengetragen.

Wie setzt Bitpanda den Nachweis der Mittelherkunft um?

Bitpanda fordert den Mittelherkunftsnachweis deshalb nicht nur für Fiat Geld, sondern auch für jegliche Kryptowährungen, die Sie auf Ihrem Bitpanda Konto aufbewahren. Denn das FM-GwG schreibt den durch das Gesetz Verpflichteten nämlich für eine Reihe von Konstellationen die Anwendung bestimmter Sorgfaltspflichten gegenüber ihren Kunden vor. So bestimmt beispielsweise § 5 unter anderem, dass die Sorgfaltspflichten

„(…) bei jeder Einzahlung auf Spareinlagen und bei jeder Auszahlung von Spareinlagen, wenn der ein- oder auszuzahlende Betrag mindestens 15 000 Euro oder Euro-Gegenwert beträgt;“

gegenüber Kunden zu beachten und umzusetzen sind. Anhand der Formulierung wird deutlich, dass der österreichische Gesetzgeber eben nicht nur Bargeld vom Gesetzestext umfasst wissen wollte. Stattdessen wird explizit auf den Euro-Gegenwert Bezug genommen. Dass der Gesetzgeber dabei auch insbesondere Kryptowährungen im Auge gehabt haben dürfte, wird dadurch deutlich, dass er Kryptobörsen gleich zu Anfang des Gesetzes explizit als vom FM-GwG verpflichtet definiert:

„Dieses Bundesgesetz ist auf Kredit- und Finanzinstitute sowie auf Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen (Verpflichtete) anzuwenden.“

Anhand einer weiteren Passage wird ebenfalls deutlich, dass auch Kryptowährungen wie etwa Bitcoin vom Anwendungsbereich des Gesetzes umfasst sind. Die eben genannten Sorgfaltspflichten werden dort ihrem Umfang nach genau definiert. Zu ihnen gehört auch die Forderung des Mittelherkunftsnachweises. Denn nach dem FM-GwG umfassen die Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden auch

„Einholung und Überprüfung von Informationen über die Herkunft der eingesetzten Mittel; solche Informationen können unter anderem die Berufs- bzw. Geschäftstätigkeit, das Einkommen bzw. das Geschäftsergebnis oder die allgemeinen Vermögensverhältnisse des Kunden und seiner wirtschaftlichen Eigentümer umfassen;“.

Durch die allgemein gehaltene Formulierung „Herkunft der eingesetzten Mittel“ kann diese genannte Verpflichtung prinzipiell auf alle möglichen Vermögenswerte angewendet werden. Hätte der Gesetzgeber hier nur Geld gemeint, hätte er dies genau so geschrieben.

Bitpanda informiert ausführlich über Mittelherkunftsnachweis

Bitpanda selbst informiert proaktiv darüber, dass nicht nur für Fiat Geld, sondern auch für Kryptowährungen in bestimmten Situationen ein Mittelherkunftsnachweis gefordert wird. Die Herkunft der Kryptowährungen auf Ihrem Bitpanda Account ist nämlich nicht immer Bitpanda selbst.

Die ansprechende Benutzeroberfläche ist für viele Kunden von Bitpanda ein Grund, warum sie sich für diese Kryptobörse entscheiden. Für viele liegt es nahe, ihren vollständigen Bestand an Kryptowährungen auf ihre Wallet bei Bitpanda zu transferieren, um alle Kryptowährungen „an einem Ort“ zu haben und dort weiter mit den Coins handeln zu können.

Genau hier möchte Bitpanda nun immer öfter wissen, woher die von Ihnen auf die Bitpanda Wallet übertragenen Kryptowährungen eigentlich stammen. Ziel ist der Nachweis, dass die Coins eine legitime Herkunft haben, also nicht aus der Begehung von Straftaten gewonnen wurden.

Diese und viele weitere Informationen liefert Bitpanda in Ihrem zum Thema Mittelherkunftsnachweis erstellten Info-Artikel sowie Hilfe-Bereich.

Es finden sich dort für verschiedene Situationen sehr detaillierte Anleitungen, welche Dokumente wann vorzulegen sind. Alleine für den Fall, dass Bitpanda einen Herkunftsnachweis für auf Ihrem Account liegende Kryptowährungen fordert, unterscheidet sie nach folgenden Fallkonstellationen:

  • Ihre Kryptowährungen stammen von anderen Kryptobörsen oder Handelsplätzen
  • Mit Ihren Kryptowährungen erzielten Sie anderswo Trading-Gewinne
  • Sie haben Ihre Kryptowährungen durch Einnahmen aus Dienstleistungen erhalten (z.B. Affiliate-Programme)
  • Ihre Kryptowährungen stammen aus Initial Coin Offerings (ICO), Token Sales, Mining, Staking, Air Drops, Coin- oder Token Swaps, Lending und Liquidity Pools
  • Alle Ihre Kryptowährungen erwarben Sie bei Bitpanda selbst


Schon anhand dieser Fallkonstellationen (für Kryptowährungen!) ist ersichtlich, dass es durchaus kompliziert sein kann, der Nachweispflicht nachzukommen.

Was passiert, wenn ich keinen Herkunftsnachweis vorlegen kann?

Wir erhalten immer öfter Berichte unserer Leser über Schreiben von Bitpanda im Zusammenhang damit, dass Bitpanda einen Herkunftsnachweis fordert. Alle uns bislang bekannten Fälle haben die Gemeinsamkeit, dass Bitpanda die Vermögenswerte auf den Kundenkonten vorübergehend eingefroren hat. Dieser Zustand soll bestehen bleiben, bis die Kunden die geforderten Mittelherkunftsnachweise eingereicht haben.

Dies belegt, dass Bitpanda die Nachweispflicht nicht nur gegenüber Neukunden umsetzt. Denn die uns bekannten Berichte stammen ausschließlich von Bestandskunden. Sie betreffen sowohl Fiat Geld als auch Kryptowährungen, die Bitpanda vorübergehen einfriert.

Die Konsequenzen, die ein nicht oder nicht hinreichend vorgelegter Mittelherkunftsnachweis haben kann, sind also gravierend. Sie verlieren gegebenenfalls den vollständigen Zugriff auf Ihre auf dem Bitpanda Konto liegenden Vermögenswerte, solange Sie die Nachweispflicht nicht erfüllen. Damit kommt Bitpanda, aber auch jeder anderen Kryptobörse oder sonstigen Börse, ein enormes Druckmittel zu, um die Kunden zur Erbringung der Nachweise zu bewegen.

In einem solchen Fall sollten Sie weder in Panik noch in Aktionismus verfallen. Auf einer gesonderten Seite geben wir Ihnen ganz grundsätzliche Tipps dazu, was Sie tun sollten, wenn ein Mittelherkunftsnachweis von Ihnen gefordert wird. Zwar stellen viele Stellen, die Herkunftsnachweise fordern, entsprechende Möglichkeiten für Uploads bereit. Dennoch kann durchaus, insbesondere bei Rückfragen, eine gezielte Korrespondenz mit den Stellen nötig und sogar ratsam sein. Wir unterstützen Sie hierzu gern mit Ratschlägen und Mustern für Anschreiben.

Wertgrenze, ab der Bitpanda einen Herkunftsnachweis fordert!

Interessanterweise hält sich Bitpanda auf Ihrer Website sehr bedeckt darüber, wie hoch die Limits für Transaktionen jeglicher Art sind, ab denen die Börse keinen Mittelherkunftsnachweis fordert. Sie verweist dort lediglich allgemein auf geltenden EU-Richtlinien. Das ist einerseits verständlich, da die durch das FM-GwG Verpflichteten beim Kampf gegen Geldwäsche kein Muster erkennen lassen möchten. Ferner obliegt jeder Stelle ein gewisser Spielraum bei ihrem Risikomanagement und ihren Risikoanalysen. Für Kunden bedeutet dies jedoch Unsicherheit und so manche Überraschung.

Einen Anhaltspunkt – mehr aber auch nicht – für Schwellenwerte dafür, wann Bitpanda einen Mittelherkunftsnachweis fordert, könnte das FM-GwG selbst bieten (siehe oben). Danach müssen die vom FM-GwG Verpflichteten nämlich jedenfalls dann die oben dargestellten sogenannten Sorgfaltspflichten anwenden, wenn Ein- oder Auszahlungen in Höhe von 15.000 EUR oder Krypto-Gegenwert vorgenommen werden.

Sie sollten jedoch stets bedenken Folgendes bedenken: Jeder Dienstleister, egal ob Kryptobörse, Bank, oder Broker, kann von sich aus schärfere als vom Gesetz vorgegebene Regelungen bestimmten und umsetzen. Daran dürften Dienstleister zwar unter unternehmerischen Gesichtspunkten wenig Interesse haben. Denn mehr Kontrollen führen zu mehr Unzufriedenheit der Kunden. Es verdeutlich jedoch, dass gesetzlich vorgeschriebenes und tatsächliches Handeln der Unternehmen nicht zwingend auf gleicher Linie stehen müssen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Kryptobörsen mit der international zunehmenden Regulierung von Kryptowährungen umgehen. Auch Binance als eine der größten Krypto Börsen der Welt leitete kürzlich erste Schritte hin zur Forderung von Mittelherkunftsnachweisen von Nutzern ein. Die nicht weniger bekannte US-amerikanische Börse Kraken setzte die Nachweispflicht sogar auf bemerkenswerte Weise mit Anknüpfungen an das Jahreseinkommen ihrer Kunden um. Für einen Überblick über die Regelungen weiterer Börsen für Kryptowährungen lesen Sie unsere Seiten zu Coinbase, BSDEX / Bison und Bitstamp.

Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda auch für Edelmetalle?

Vor einigen Jahren bot Bitpanda seinen Kunden erstmalig die Möglichkeit, mit Edelmetalle wie Gold und Silber zu handeln. Für die Kunden war dies eine willkommene Möglichkeit, das eigene Investmentportfolio zu diversifizieren und insbesondere den starken Kursschwankungen von Kryptowährungen ein Gegengewicht zu verleihen und damit mehr „Ruhe“ in das Portfolio zu bringen. Schließlich bekamen Kunden bei Bitpanda dann auch noch die Möglichkeit, in Aktien zu investieren, sodass Bitpanda in diesem Zusammenhang als Broker fungiert.

Wie Sie unserer umfangreichen Informationsseite zum Thema Edelmetalle entnehmen können, spielt im Bereich der Edelmetalle spätestens seit August 2021 auch der Nachweis der Mittelherkunft eine wichtige Rolle. Denn auch Edelmetallen wird seitens der BaFin angelastet, ein erhöhtes Risiko im Hinblick auf Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu bergen.

Doch wie ist es im Bereich Edelmetalle wie Gold oder Silber mit der Pflicht zum Mittelherkunftsnachweis gegenüber Bitpanda?

An dieser Stelle gilt es zu verstehen, dass der Handel von Edelmetallen über Bitpanda eine gänzlich andere Situation darstellt als der Kauf und Verkauf physischer Edelmetalle bei einer Bank oder einem Edelmetallhändler. Bei einem Investment in Gold bei Bitpanda werden Sie dieses Gold nie in den Händen halten. Ihr Investment erfolgt lediglich in ein Finanzprodukt, welches den Goldkurs am Markt (sogenannter „Spotpreis“) live abbildet.

Bitpanda fordert für Geld und Kryptowährungen immer öfter einen Mittelherkunftsnachweis
Bitpanda ermöglicht auf der Plattform den Handel mit Edelmetallen wie Gold, Platin und Silber.

Es ist unklar, ob das Finanzprodukt von Bitpanda mit physisch hinterlegtem Gold abgedeckt ist. Für die Frage, ob bei Bitpanda beim Kauf oder Verkauf von „Edelmetallen“ ein Mittelherkunftsnachweis vorzulegen ist, spielt dies jedoch auch keine Rolle.

Denn so oder so werden Sie zumindest beim Verkauf ihrer bei Bitpanda „erworbenen“ Edelmetalle jedenfalls nie einen Mittelherkunftsnachweis erbringen müssen. Denn die BaFin schreibt in ihren AuAs lediglich vor, dass ein Herkunftsnachweis beim Verkauf von Edelmetallen nur gegenüber Kreditinstituten vorzulegen ist. Alle anderen Händler – und somit auch Bitpanda, wenn man annähme, Sie würden physisches Gold an Bitpanda verkaufen – sind (noch) von der Pflicht ausgenommen, hier einen Mittelherkunftsnachweis zu fordern. Lesen Sie zu diesem Thema gern mehr in unserem umfangreichen Beitrag zur Mittelherkunft von Edelmetallen.

Anders kann sich dies jedoch darstellen, wenn Sie bei Bitpanda Edelmetalle „erwerben“ möchten, also in Edelmetalle investieren möchten. Hierfür benötigen Sie nämlich zunächst einmal Bargeld, oder zumindest Fiatgeld auf Ihrem Bitpanda Account. Je nachdem um welche Summe es sich bei der Einzahlung handelt, wird Bitpanda für dieses Geld einen Mittelherkunftsnachweis fordern, wahrscheinlich sogar direkt bei Einzahlung des Geldes auf Ihren Bitpanda Account.

Damit bleibt festzuhalten, dass Sie Bitpanda zwar nie einen Mittelherkunftsnachweis für Edelmetalle im engeren Sinne werden vorlegen müssen. Die legitime Mittelherkunft von Bargeld, mit dem Sie bei Bitpanda in Edelmetalle investieren möchten, werden Sie jedoch bei Überschreitung bestimmter Schwellenwerte nachweisen müssen.

Ausblick: NFT bei Bitpanda und die Frage nach der Mittelherkunft

Soweit ersichtlich, hat Bitpanda bislang zwar noch nicht angekündigt, in den Handel mit Non-Fungible Tokens (NFTs) einzusteigen. Angesichts des Ausmaßes des im Jahr 2021 begonnenen NFT-Hypes kann es jedoch nur als Frage der Zeit bezeichnet werden, bis Bitpanda eine Handelsplattform für NFTs anbietet.

Fraglich ist, wie es sich in diesem Fall mit der Forderung nach einem Mittelherkunftsnachweis durch Bitpanda verhalten könnte. Schließlich erreichen NFT teils horrende Gegenwerte und wären zumindest aus diesem Grund schon relevant für den Anwendungsbereich der Geldwäschevorschriften. Zudem lebt der Handel mit NFTs gerade davon, dass diese „von außerhalb“ in das Bitpanda-Ökosystem eingeführt werden, um dort auf der Börse angeboten zu werden. Das bedeutet, dass ein NFT, der andernorts erworben wurde, auf die Bitpanda Wallet transferiert werden müsste, um ihn dort auf dem Handelsplatz anzubieten.

Denkbar wäre, dass bei der Transaktion auf eine Bitpanda Wallet ein Mittelherkunftsnachweis für den NFT gefordert wird, unabhängig davon, welchen Wert dieser zum Transaktionszeitpunkt hat. Denn der Wert eines NFT ist nicht anhand eines Kurses festgeschrieben, sondern stellt sich oftmals erst beim konkreten Handelsvorgang heraus.

Eine weitere Möglichkeit könnte sein, den Mittelherkunftsnachweis für den NFT zur Bedingung für die erfolgreiche Abwicklung des Verkaufsvorgangs zu machen. Ein Verkauf könnte so nur dann abgeschlossen werden, wenn die legitime Mittelherkunft einwandfrei nachgewiesen wurde.

Es empfiehlt sich daher schon jetzt – beim Erwerb von NFTs auf anderen Plattformen – für eine lückenlose Protokollierung der Erwerbs- und Transaktionsvorgänge zu sorgen. Denn: Vorsorge ist besser als Nachsorge!

Sinnhaftigkeit von Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda fraglich!

Was uns wundert ist der Umstand, dass völlig unklar ist, welche Art personeller Besetzung Bitpanda bei der Auswertung von eingereichten Herkunftsnachweisen angestrebt hat. Die üblichen Support-Angestellten dürften mit der Einschätzung von komplizierten Vermögensdaten überfordert sein.

Sollte beispielsweise eine umfangreiche Erbschaft detailliert offengelegt werden, ist dies selbst nach Vorlage der entsprechenden Nachweise nicht ohne Weiteres inhaltlich nachzuvollziehen. Wer prüft die Authentizität einer solchen Dokumentation? Was ist, wenn ausländische Dokumente in Fremdsprachen eingereicht werden?

Wir können uns kaum vorstellen, dass Bitpanda für die Nachweise zur Mittelherkunft mehrsprachige Forensiker einsetzt.

Denken Sie all dies ein wenig weiter. Wer wird stets die Mittelherkunftsnachweis augenscheinlich perfekt erbringen können? Selbstverständlich die Personen, welche ohnehin mit hohen Summen im Bereich der professionellen Geldwäsche „beruflich tätig“ sind. Waschechten Kriminellen dürfte es leicht fallen, Unterlagen zur Mittelherkunft so fehlerfrei fälschen zu lassen, dass nicht einmal eine polizeiliche oder gerichtliche Überprüfung die Fälschungen aufdecken könnte.

Dies bedeutet, dass der Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda für normale Betroffene problematisch sein kann, etwa bei durch Schenkung erhaltenen Vermögenswerten, während finanziell hervorragend ausgestattete Geldwäscher einwandfreie Dokumente werden vorlegen können.

Bitpanda Account deaktiviert und Login nicht mehr möglich?

Falls Sie sich wundern, dass Sie sich in Ihren Bitpanda Account plötzlich nicht mehr einloggen können, sind Sie damit nicht allein. Sobald bei Bitpanda ein Verfahren zur Prüfung des Mittelherkunftsnachweises angestoßen wird, besteht das Risiko, dass ein Login in den Bitpanda Account ohne Vorwarnung auf einmal nicht mehr möglich ist. Es erscheint dann die Meldung, dass das Bitpanda Konto nicht aktiv ist:

Bitpanda Konto ist nicht aktiv / Account gesperrt!

In diesen Fällen wurde Ihr Bitpanda Account deaktiviert. Faktisch bedeutet dies für Nutzer nichts anderes, als dass der Zugriff auf das Bitpanda Konto gesperrt wurde. Es ist somit zwangsläufig auch kein Zugriff auf die dort liegenden Vermögenswerte mehr möglich. Unserer Meinung nach ist dieses Vorgehen nicht nur rechtlich unverhältnismäßig, schließlich haben Sie einen vertraglichen Anspruch auf die Kontonutzung. Wir halten die Art und Weise des Umgangs mit der eigenen Kundschaft auch unter Dienstleistungsgesichtspunkten für inakzeptabel.

Wir haben uns als Kanzlei auf den Bereich Mittelherkunft spezialisiert und unterstützen wir Sie bei Bedarf gern bei jeglichen Fragen um die Erbringung des Mittelherkunftsnachweises und bei sonstigen Problemen mit Ihrem Account bei einer Kryptobörse. Schilden Sie uns Ihren Fall gern unverbindlich per E-Mail. Wir melden uns mit einer kostenfreien Ersteinschätzung bei Ihnen zurück, anhand derer Sie über das weitere Vorgehen entscheiden können.

Fragen und Antworten zum Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda

Bitpanda folgt mit der Forderung des Nachweises der Mittelherkunft den aktuellen Anpassungen der EU-Geldwäscherichtlinien. Diese schließen nun auch den Handel von Kryptowährungen mit ein. Ab welchen Grenzwerten Bitpanda die Herkunftsnachweise fordert, liegt im dortigen Ermessen und kann daher nicht mit Sicherheit beantwortet werden.

Es kann vorkommen, dass Bitpanda die Accounts und Konten von Nutzern im Rahmen der Forderung eines Mittelherkunftsnachweises deaktiviert. Sie haben dann keine Verfügungsgewalt über die dort liegenden Vermögenswerte mehr. Oftmals werden Sie mit der Aussage vertröstet, Ihr Vorgang werde geprüft. Wir sind als Kanzlei auf das Thema Mittelherkunft spezialisiert und unterstützen Sie bei Bedarf gern.

Bitpanda steht ein weiter Ermessensspielraum dabei zu, Herkunftsnachweise als ausreichend oder nicht ausreichend zu bewerten. Dies bietet Ihnen jedoch auch die Möglichkeit, durch plausible Darstellung Ihrer Mittelherkunft den Nachweis auch nach erfolgter Ablehnung noch zu erbringen. Sie können immer wieder "nachlegen", sollten aber - insbesondere wenn Ihre Vermögenswerte eingefroren wurden - irgendwann über professionelle Unterstützung nachdenken.

Es besteht im Prozedere des Herkunftsnachweises keine zeitliche Frist, innerhalb derer Sie den Mittelherkunftsnachweis erbringen müssen. Sie können jedoch gegebenenfalls dann unter Druck geraten, wenn Bitpanda bis zur Vorlage der Nachweise Ihre Vermögenswerte einfriert.