Trade Republic möchte von Kunden nun finanzielle Selbstauskunft und Nachweis der Mittelherkunft bei Einzahlungen!

Auch Kundinnen und Kunden von Deutschlands beliebtestem Neobroker Trade Republic spüren nun, dass in Sachen Geldwäschegesetzgebung die Daumenschrauben gehörig angezogen wurden. Denn auch die deutsche Wertpapierhandelsbank Trade Republic ist sogenannte „Verpflichtete“ im Sinne des deutschen Geldwäschegesetzes (GwG) und fordert im Rahmen der Erfüllung Ihrer Sorgfaltspflichten ihre Kunden nun auf, eine finanzielle Selbstauskunft zu erbringen sowie einen Mittelherkunftsnachweis für Vermögenswerte wie Bargeld vorzulegen.

Das Prozedere um die finanzielle Selbstauskunft und den Mittelherkunftsnachweis bei Trade Republic tritt laut Berichten von Mandanten derzeit zunehmend im Bereich der Einzahlung von Barmitteln vom Girokonto der Kunden auf deren Verrechnungskonto bei Trade Republic auf. Wer kein üppiges Einkommen vorweisen kann, muss die Mittelherkunft des Geldes anders und durch Vorlage ausgesprochen persönlicher Unterlagen nachweisen. Spannend ist jedoch auch der Blick in die Zukunft. Denn schon längst sind bei Trade Republic auch Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether handelbar. Und die damit zusammenhängenden umfangreichen Nachweispflichten sind aufmerksamen Lesern unserer Website bereits von Kryptobörsen und Banken bekannt.

Ein Vorgeschmack dessen, was nun auch bald bei Trade Republic blüht?

Hintergrund der finanziellen Selbstauskunft und des Nachweises der Mittelherkunft bei Trade Republic!

Hintergrund der nun verstärkten Kontrollen von Trade Republic, aber auch allen anderen Banken, sind verschärfte EU-Richtlinien im Bereich der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Gerade durch die sogenannten 5. und 6. EU-Geldwäscherichtlinien, welche wir in unserem FAQ-Bereich unter „Rechtsgrundlagen“ verlinkt haben, passten die bereits seit langem bestehenden EU-Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung an die aktuellen Gegebenheiten und Entwicklungen der Märkte an.

Die EU-Mitgliedstaaten haben diese verschärften Richtlinien in das jeweilige nationale Recht umsetzen müssen, um eine Harmonisierung der Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung innerhalb der EU zu erreichen. In Deutschland führten umfangreiche Anpassungen unter anderem am GwG und an den „Auslegungs- und Anwendungshinweisen zum GwG“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufischt (BaFin) etwa zu den medienwirksamen Beschränkungen im Bereich der Bareinzahlungen auf Girokonten, welche seit August 2021 je nach Konstellation nur noch bis zu einem Limit von 2.500 Euro bzw. 10.000 Euro ohne Nachweis der Mittelherkunft möglich sind. Einzelne Banken, wie etwa die Commerzbank / Comdirect, Postbank, Fidor Bank, ING DiBa, Sparkasse, N26 Bank oder Volksbank gehen mit der Thematik teils unterschiedlich um.

Doch während die Medien sich ausschließlich auf die Berichterstattung im Hinblick auf nachweislose Einzahlung von Bargeld am Bankautomaten beschränkten, wurden für normale Bürger viel weitreichendere Nachweispflichten eingeführt. Diese werden nun zunehmend von jenen Stellen, die durch die Regelungen des GwG verpflichtet werden, gelebt und beschränken die freie Bewegung von Vermögenswerten im Alltag erheblich.

Dabei ist insbesondere die immer weitere zunehmende Praxis zu nennen, dass Dienstleister wie Banken, Broker und Börsen einen sogenannten Mittelherkunftsnachweis von Kunden fordern. Im Englischen ist dieser unter den Begriffen „source of wealth declaration„, „proof of source of funds“ oder „origin of funds“ bekannt.

Finanzielle Selbstauskunft vs Mittelherkunftsnachweis? Das Eine führt oft zum Anderen!

Mit dem auch als Nachweis der Mittelherkunft bekannten Instrument werden Kunden aufgefordert, die legitime Herkunft der von ihnen eingesetzten Vermögenswerte nachzuweisen. Die Herkunft der finanziellen Mittel ist dabei insbesondere dann als legitim anzusehen, wenn das Vermögen nicht durch die Begehung von Straftaten erlangt wurde.

Doch was ist nun der Unterschied zwischen der finanziellen Selbstauskunft, wie Trade Republic sie fordert, und einem „klassischen“ Mittelherkunftsnachweis?

Zunächst ist festzuhalten, dass Trade Republic nicht zwingend entweder das eine oder das andere von Kunden fordert. Trade Republic geht bei der Einholung der finanziellen Selbstauskunft und dem Mittelherkunftsnachweis vielmehr in einem gestuften System vor.

Kommt es zu dem Fall, dass Trade Republic von Ihnen eine finanzielle Selbstauskunft fordert, werden Sie hierzu per E-Mail aufgefordert. Sie werden primär zur Beantwortung von vier Fragen aufgefordert, die sinngemäß wie folgt lauten:

  1. Seit wann verdienen Sie bereits Geld?
  2. Welchen Beruf üben Sie derzeit aus?
  3. In welcher Branche üben Sie diesen Beruf aus?
  4. Wie hoch ist Ihr jährliche Durchschnittsbruttoeinkommen der letzten 3 Jahre?


Erst dann, wenn Ihre bei Trade Republic eingesetzten Vermögenswerte auch aus anderen Quellen stammen als aus Ihrem Einkommen, werden Sie dazu aufgefordert diese im Rahmen eines Mittelherkunftsnachweises zu belegen. Je nachdem, aus welcher Quelle Ihre Mittel stammen, (z.B. Schenkung oder Erbschaft) werden Sie zur Vorlage der entsprechenden Nachweisdokumente aufgefordert.

Wir haben Verständnis dafür, dass einige Kunden das Vorgehen von Trade Republic an dieser Stelle als intransparent betrachten, da nicht ohne Weiteres ersichtlich ist, welche beruflichen und einkommenstechnischen Umstände dem Unternehmen eigentlich als ausreichend erscheinen, um die in Rede stehenden finanziellen Mittel ordnungsgemäß nachzuweisen.

Wann fragt Trade Republic mich nach der Herkunft meiner Mittel?

Wann genau Trade Republic um eine finanzielle Selbstauskunft oder einen Mittelherkunftsnachweis für Vermögenswerte bittet, kann nicht pauschal beantwortet werden. Mandanten berichten uns in der Regel davon, bei Einzahlung von Geld auf das Verrechnungskonto (Depot) bei Trade Republic kontaktiert worden zu sein.

Die getätigte Einzahlung auf das Trade Republic konnte verzögert sich in diesen Fällen zunächst um einige Tage, dann erfolgt der Kontakt durch Trade Republic. Die Einzahlung wird solange gesperrt, bis die finanzielle Selbstauskunft oder der Mittelherkunftsnachweis gegenüber Trade Republic zur Zufriedenheit des Unternehmens erbracht wurde.

Ob es einen konkreten Schwellenwert für die höhe der Einzahlungen bei Trade Republic gibt, bei welcher eine finanzielle Selbstauskunft nötig wird, ist nicht bekannt. Die Erfahrungsberichte unserer Mandanten weisen sehr unterschiedliche Beträge auf, oftmals schon von wenigen tausend Euro.

Trade Republic fragt nach finanzieller Selbstauskunft bei Einzahlung!
FAQs auf der Trade Republic Website helfen zur „Selbstauskunft“ nicht weiter (Stand: 17.04.2022).

Interessant ist, dass dass Trade Republic in der Kontaktmail angibt, dass die finanzielle Selbstauskunft und der Mittelherkunftsnachweis sich nicht nur auf die nun in Rede stehende konkrete Einzahlung beziehen, sondern auf sämtliche Einzahlungen. Es wird also gegebenenfalls aufgrund eines einzelnen Ereignisses die gesamte Einzahlungshistorie unter die Lupe genommen. Für Kunden bedeutet dies, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen:

  • Welche Gesamtsumme habe ich seit Anmeldung bei Trade Republic eingezahlt?
  • Kann meine berufliche Situation die Summe der Einzahlungen plausibel erklären?


Bei einer mehrjährigen Kundenbeziehung zu Trade Republic kann dies herausfordernden sein.
Der Bezug auf die Gesamtsumme aller Einzahlungen einerseits und die Beschränkung der Angabe des Durchschnittseinkommens des Kunden auf die letzten drei Jahre scheint uns auch nicht bis hundertprozentig konsequent und schlüssig.

Es deutet einiges darauf hin, dass sich Trade Republic bei der Prüfung der Angaben einen erheblichen Ermessensspielraum zuteil kommen lässt. Dieser Spielraum geht, so die Erfahrung aus zahlreichen anderen Forderungen von Mittelherkünften bei anderen Anbietern, oftmals mit spärlichen Begründungen im Falle von Ablehnungen einher, welche im Ergebnis eine erhebliche Intransparent für Kunden bedeuten können.

Bald auch Mittelherkunftsnachweis für Kryptowährungen Pflicht?

Spannend ist die Verfolgung der weiteren Entwicklung bei Trade Republic im Hinblick auf den Kryptobereich. Die Thematik und die Schwierigkeiten um den Mittelherkunftsnachweis bei und für Kryptowährungen wie Bitcoin sind bislang insbesondere bei klassischen Kryptobörsen wie Binance, Bison / BSDEX, Bitpanda, Bitstamp, Coinbase oder Kraken aufgekommen.

Trade Republic begann zwar als Broker für den klassischen Aktienhandel. Doch schon längst ist es für Kunden auch möglich, bei Trade Republic mit zahlreichen Kryptowährungen zu handeln, in genauso unkomplizierter Manier wie beim Aktienhandel. Ein schönes und intuitives User Interface begeisterte Kunden jedoch auch auf anderen Kryptobörsen. Dort erfährt die Spekulationsfreude im Bereich Kryptowährungen jedoch derzeit erhebliche Einbußen, da selbst internationale Kryptobörsen durch regulatorischen Druck ihre Kunden mit der Forderung von Mittelherkunftsnachweisen drangsalieren.

Ist bei Trade Republic also auch eine finanzielle Selbstauskunft und ein Mittelherkunftsnachweis im Hinblick auf Kryptowährungen zu erwarten?

Für den Moment scheint dies nicht zu erwarten zu sein. Denn Trade Republic unterscheidet sich derzeit noch in erheblichen Punkten von klassischen Kryptobörsen. Es ist auf Trade Republic etwa noch nicht möglich, Kryptowährungen von außerhalb auf das Trade Republic Konto zu transferieren, um sie dann dort zu verkaufen. Die Frage nach der Mittelherkunft von außen eingebrachter Coins stellt sich also derzeit noch nicht. Alle Coins, die bei Trade Republic von Kunden gehandelt werden, sind zwangsläufig auch über Trade Republic erworben worden. Fraglich ist zudem, ob Kunden bei Trade Republic überhaupt richtige Kryptowährungen handeln, oder nur Finanzprodukte, die den Preis der jeweiligen Kryptowährung nachbilden.

Probleme mit Trade Republic wegen finanzieller Selbstauskunft?

Immer, wenn die Herkunft finanzieller Mittel hinterfragt wird, kann es zu zahlreichen Schwierigkeiten kommen. Dies völlig ohne, dass sich Kunden etwas zu Schulden kommen ließen, geschweige denn auch nur ansatzweise Geldwäscheabsichten hätten.

Vielmehr ist die Frage nach Einkünften, die möglicherweise schon Jahre zurückliegen und gegebenenfalls schlecht dokumentiert sind, oft aus rein tatsächlichen Gründen schwer zu beantworten. Hier wird seitens der GwG-Verpflichteten häufig unverhältnismäßig agiert. Hinzu kommt, dass Kunden verständlicherweise schlichtweg ein Problem damit haben, höchstpersönliche Einblicke in das persönliche und finanzielle Leben gegenüber einem privatwirtschaftlichen Unternehmen zu gewähren. Das hätte es vor wenigen Jahren noch nicht gegeben. Mit dem einfachen Verweis auf das GwG wird dieser Konflikt mit Blick auf eine fruchtbare Kundenbeziehung nicht zu lösen sein.

Ferner erfolgen viele negative Entscheidungen im Zusammenhang mit der Mittelherkunftsprüfung für Kunden nicht nachvollziehbar. Sie sind aus Kundensicht von Intransparenz geprägt. Dabei können ablehnende Entscheidungen folgenschwer sein: erhebliche Summen an Vermögenswerten werden gegebenenfalls eingefroren und den Kunden über lange Zeiträume hinweg nicht zur Verfügung stehen, obwohl diese möglicherweise darauf angewiesen sind. Und nicht zuletzt geht es auch immer um etwaige Geldwäscheverdachtsmeldungen.

Wir sind eine auf die Themen Mittelherkunft und finanzielle Selbstauskunft spezialisierte Kanzlei mit viel praktischer Erfahrung und unterstützen Sie, wenn Sie Probleme beim Nachweis der Mittelherkunft haben. Schildern Sie uns Ihren Fall gern unkompliziert per E-Mail. Wir schauen uns Ihr Problem an und geben Ihnen eine kostenfreie Ersteinschätzung, auf deren Grundlage Sie über das weitere Vorgehen entscheiden können.

Fragen und Antworten zur Selbstauskunft bei Trade Republic

Das hängt maßgeblich vom Umfang Ihrer eingereichten Unterlagen ab. Problematisch ist, dass Ihr während der Prüfung gesperrtes Geld von Ihnen in dieser Zeit nicht genutzt werden kann und Ihnen möglicherweise lohnende Geschäfte entgehen. Je nachdem, ob Sie bei Trade Republic nur eine finanzielle Selbstauskunft oder einen umfangreichen Mittelherkunftsnachweis mit Dokumenten erbringen, kann sich die Prüfung zwischen wenigen Tagen und Wochen hinziehen.

Ergeht durch Trade Republic ein negatives Prüfungsergebnis im Hinblick auf Ihren Mittelherkunftsnachweis, droht die Sperrung Ihres Kontos und die Beendigung der Kundenbeziehung. Darauf deutet Trade Republic - diplomatisch formuliert - auch in der E-Mail an Sie hin, mit der Sie zur finanziellen Selbstauskunft aufgefordert werden. Sie haben aber immer die Möglichkeit den Versuch zu unternehmen, mithilfe einer spezialisierten Kanzlei gegen die Entscheidung vorzugehen.

Mittelherkunftsnachweise können so individuell sein, wie es Ihre finanziellen Verhältnisse sind. Trade Republic gibt in der E-Mail zur finanziellen Selbstauskunft an, welche Nachweisdokumente Sie einreichen sollen. Wir sind der Auffassung, dass es weitere Möglichkeiten geben muss, Ihre Mittelherkunft nachzuweisen.