Coinbase fordert von Kunden einen Herkunftsnachweis für Vermögen

Sie wurden auf Coinbase plötzlich mit der Forderung nach einem Mittelherkunftsnachweis überrascht? Dann sind Sie nicht allein. Denn Coinbase fordert nun einen Herkunftsnachweis für Ihre Bitcoins, andere Kryptowährungen und sogar Ihre Geldeinzahlungen. Sie reiht sich damit in zahlreiche weitere Kryptobörsen verschiedenster Jurisdiktionen ein, die in den jüngeren Vergangenheit Nachweispflichten für die Mittelherkunft und verschärfte KYC („Know Your Customer„) Prozesse etabliert haben, so etwa Kraken, Binance, Bitstamp, Bison / BSDEX und Bitpanda.

Als derzeit größte und bekannteste Krypto-Börse möchte sich Coinbase an die gesetzlichen Regularien halten, die vorsehen, dass die Herkunft finanzieller Mittel von Finanzdienstleistern zu klären ist. Wer die geforderten Herkunftsnachweise (Englisch: proof of source of funds, origin of funds oder source of wealth) nicht einreicht, wird gesperrt. Guthaben in Kryptowährungen oder Euro können dann nicht mehr bewegt werden.

Wie Sie den Herkunftsnachweis erbringen, wenn Coinbase ihn fordert

Grundsätzlich sollten Sie sich an die Vorgaben halten, die Coinbase Ihnen als Kundschaft mitteilt, wenn die Börse einen Herkunftsnachweis von Ihnen fordert. Es kann sein, dass nur vereinzelte Transaktionen auf Ihrem Account bezüglich ihrer Herkunft nachgewiesen werden müssen. Möglich ist allerdings auch, dass Ihre gesamte Transaktionshistorie darzustellen ist.

Sollte Coinbase zu einer bestimmten Einzahlung von Euro oder Kryptowährungen einen Nachweis zur Herkunft verlangen, geht es darum, die ursprüngliche Quelle dieser Einzahlung glaubhaft offenzulegen.

Beispiel: Sie zahlen 0,1 BTC aus Ihrem eigenen Wallet auf Ihren Coinbase-Account ein. Coinbase möchte nun den Herkunftsnachweis zu dieser Krypto-Transaktion. Hier reicht es nicht, Coinbase mitzuteilen, dass die 0,1 BTC aus Ihrem eigenen Wallet stammen. Coinbase braucht viel mehr die Information, woher die 0,1 BTC ursprünglich stammen. Falls die 0,1 BTC einmal auf einer anderen Börse durch einen Kauf mit Euro erworben worden sind, ist genau diese Kaufhistorie der Mittelherkunftsnachweis. Gut möglich, dass Coinbase zusätzlich erfahren will, woher wiederum die Euro stammen, mit denen Sie die 0,1 BTC erstmals erworben hatten.

Falls Coinbase jedoch aus welchen Gründen auch immer plötzlich Ihre gesamte Einzahlungs- und Tradinghistorie erfahren möchte, muss ein umfassender Herkunftsnachweis erbracht werden. Im Englischen ist dann von source of wealth die Rede, also die „Geschichte Ihres Geldes“, sowie selbstverständlich alle Zwischenstationen auf Krypto-Börsen (Coins gegen Coins, Fiat gegen Coins, Airdrops, Staking, hard forks etc.).

Es lohnt sich, einen Blick in unsere Rubrik zu den möglichen Beweismitteln beim Herkunftsnachweis zu werfen. Beachten Sie gern auch die ersten Schritte beim Mittelherkunftsnachweis, um ein besseres Verständnis für die Thematik zu entwickeln. Insbesondere in den Konstellationen, in denen die Herkunft der finanziellen Mittel eine Erbschaft oder Schenkung ist, bedarf es gegenüber Börsen für Kryptowährungen oft erheblicher Überzeugungsarbeit. Wir haben deshalb auf unseren Seiten zum Erbe und zur Schenkung umfangreiche Informationen für Sie bereitgestellt.

Coinbase galt lange Zeit als einfachster Weg, um in Kryptowährungen zu investieren

Einen Namen hat sich Coinbase weltweit dadurch gemacht, dass die Nutzerfreundlichkeit großgeschrieben und ein erstklassiger Service geboten wurde. Erst durch Coinbase war es den allermeisten Neulingen im Krypto-Bereich möglich, direkt Bitcoin und Kryptowährungen zu erwerben und in simpler Weise zu traden.

Durch den Mittelherkunftsnachweis wird vom Gesetzgeber leider ein Keil zwischen Coinbase und die Kundschaft getrieben. Denn plötzlich steht für Coinbase nicht mehr an erster Stelle, die größtmögliche Nutzerfreundlichkeit zu bieten, sondern primär die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.

Coinbase ist mittlerweile eine publicly traded company, das heißt: Coinbase ist an der Börse gelistet, gehört eigentumsrechtlich den Aktionäre und muss dementsprechend transparent in der Öffentlichkeit agieren. Unter keinen Umständen wird sich Coinbase in irgendeiner Weise etwas „Zwielichtiges“ erlauben, indem bestimmte Anti-Geldwäsche-Bestimmungen nicht oder unzureichend eingehalten werden. Daher verwundert es nicht, dass Coinbase die Mittelherkunft ernst nimmt und überprüft.

Auch von langjähriger Kundschaft fordert Coinbase nun einen Herkunftsnachweis!

Sie denken sich vielleicht, dass Sie als Kunde, der bereits seit Jahren auf Coinbase problemlos und ehrlich getradet hat, von diesen Forderungen nach dem Mittelherkunftsnachweis nicht betroffen sein werden. Falsch gedacht. Für Coinbase und andere Börsen, auf denen Bitcoin und Kryptowährungen gehandelt werden können, spielt es keine Rolle, wie lange Sie bereits einen Account bedienen.

Denn die Geldwäschegesetzgebung behandelt alle Personen gleichermaßen. Ein irgendwie geartetes „Vertrauen“ oder einen „Ruf“ kann man sich hinsichtlich der Herkunft finanzieller Mittel nicht erarbeiten. Für jeden Geldeingang und für jede Einzahlung durch Kryptowährungen ist meist ein gesonderter Mittelherkunftsnachweis notwendig.

Coinbase wird sich im Zweifel nicht auf die Seite der Kundschaft stellen, sondern bestmöglich die gesetzgeberischen Anforderungen erfüllen wollen. Kein ausreichender Herkunftsnachweis bedeutet für Sie kein weiteres Trading auf Coinbase.

Für langjährige Coinbase-Kundschaft ist dies mitunter sogar problematischer als für Neukunden. Denn wer bereits jahrelang mit Kryptos Trading betrieben hat, verfügt womöglich nicht (mehr) über Nachweise zur Herkunft einzelner Finanzmittel, Coins und Tokens. Neukundschaft, die zum ersten Mal im Leben eine Euroeinzahlung auf einer Krypto-Börse vorgenommen hat, muss sich nicht um „massenhafte Herkunftsnachweise“ aus der Vergangenheit kümmern.

Welche Rechtslage gilt bei Coinbase bezüglich Mittelherkunftsnachweisen?

Als deutscher, österreichischer oder schweizer Coinbase-Kunde stellt man sich zu Recht die Frage, welche Gesetze zum Mittelherkunftsnachweis Anwendung finden. Die Rechtslage in Deutschland und Österreich haben wir bereits dargestellt. Coinbase ist allerdings ein Unternehmen mit Firmensitz in den USA und daher zunächst nicht sonderlich an europäischer Gesetzgebung interessiert.

Es gilt bei Coinbase das US-amerikanische Rechtssystem. Im Hinblick auf den Nachweis der Mittelherkunft orientiert sich Coinbase daher an der Gesetzgebung zur Geldwäschebekämpfung in den USA. Die US-Rechtslage wird u.a. durch den „The Anti-Money Laundering Act of 2020“ geprägt, welcher auf der Website der US-amerikanischen FinCEN erläutert wird.

Erst kürzlich veröffentlichte die US-amerikanische FinCEN eine „Notice Of Proposed Rulemaking“ zum Thema Kryptowährungen (Auszug):

Coinbase fordert für Kryptowährungen und Geld einen Herkunftsnachweis von Ihnen
Quelle: www.federalregister.gov (Direktlink zum Dokument, Stand: 02.12.2021)

Darin heißt es unter anderem, dass Transaktionen mit Bitcoin und/oder anderen Kryptowährungen ab einer Grenze von 10.000 US-Dollar (Wert) besondere „recordkeeping requirements“ seitens der Dienstleister wie Wallet-Provider erfüllen müssen. Die Geldwäschebestimmungen der USA konzentrieren sich daher zunehmend auch auf Kryptowährungen und längst nicht mehr nur auf den traditionellen Bankensektor oder Spezialfelder wie etwa dem Kunsthandel und Edelmetallhandel.

Vorsicht! Falsche Informationen in einschlägigen Bitcoin-Foren zu Coinbase und der Mittelherkunft

Wir möchten abschließend davor warnen, sich in bekannten oder weniger bekannten Kryptowährungs-Foren nach Ratschlägen, Erfahrungen oder Hinweisen umzuschauen, wenn es darum geht, dass Coinbase einen Herkunftsnachweis fordert. Teilweise werden dort nicht nur wenig hilfreiche, falsche oder veraltete Tipps gegeben – was bereits bedenklich genug ist.

Nach unserer Recherche werden Betroffene in einigen Foren und auf Social Media-Kanälen regelrecht dazu animiert, Herkunftsnachweise zu fälschen und die gefälschten Dokumente bei Coinbase einzureichen. Bedenken Sie, dass ein gefälschter Mittelherkunftsnachweis eine Urkundenfälschung gem. § 267 StGB darstellen kann. Selbst der Versuch ist strafbar; das Strafmaß kommt dem einer vollendeten Tat sehr gleich.

Sollten Sie aus „eigenen Stücken“ auf Coinbase beim Mittelherkunftsnachweis nicht weiterkommen, empfiehlt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansprechpartner für die Erbringung eines rechtskonformen und überzeugenden Herkunftsnachweis sind spezialisierte Rechtsanwälte, Steuerberater und Vermögensverwalter.

Fragen und Antworten zum Herkunftsnachweis bei Coinbase

Sollten Ihre finanziellen Mittel - ob Euro, oder Kryptowährungen - aus "sauberer Quelle" stammen, sind Nachweise erfahrungsgemäß vorhanden. Diese mögen mitunter schwer auffindbar sein, doch es lohnt sich, hier genauer zu recherchieren oder sich professionelle Unterstützung einzuholen. 

 

Falls Sie keinen Herkunftsnachweis erbringen können, weil der Ursprung Ihrer finanziellen Mittel "nicht sauber" ist, dürfte der Mittelherkunftsnachweis bei Coinbase auf Dauer Ihr kleinstes Problem sein - denn dann sind vermutlich Straftatbestände erfüllt worden. 

Ja. Da Coinbase deutsche Kundschaft hat, ist es für Coinbase nicht ungewöhnlich, dass deutsche Unterlagen zur Herkunft der finanziellen Mittel eingereicht werden.

 

Hilfreich ist es sicherlich, eine kurze Erklärung auf Englisch zu den jeweils eingereichten deutschen Dokumenten mitzuschicken.

 

In Ausnahmefällen kann es sein, dass Coinbase eine beglaubigte Übersetzung verlangt.  

Sollten Sie sich, aus welchen Gründen auch immer, dagegen entscheiden, Coinbase die geforderte Herkunft Ihrer Finanzmittel offenzulegen, droht eine Accountsperre.

 

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Ihre Assets verloren oder für immer eingefroren sind. Es gibt Möglichkeiten, die Guthaben in Euro oder Kryptowährungen von Coinbase abzuheben, selbst wenn ein Mittelherkunftsnachweis von Ihnen nicht erbracht oder seitens Coinbase nicht akzeptiert worden ist.