Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

ING verlangt Mittelherkunftsnachweis für 18.082 Euro aus Online-Casinos: Drohen Kontosperrung oder Strafanzeige?

Veröffentlicht am 08.10.2026 –

Wenn eine Bank plötzlich einen Mittelherkunftsnachweis für Zahlungseingänge verlangt, geraten Kontoinhaber schnell unter Druck. Besonders schwierig wird die Situation, wenn die Gutschriften von Zahlungsdienstleistern stammen, hinter denen sich Online-Casinos oder Sportwettenanbieter verbergen.

Ein Mandant schildert mir folgenden Fall: Seine Bank, die ING, verlangt Herkunftsnachweise für Gutschriften von zwei Zahlungsdienstleistern. Über Fluxpay LTD erhielt er ungefähr 13.473 Euro, über MiFinity Malta Limited weitere 4.609 Euro. Insgesamt geht es damit um rund 18.082 Euro.

Die Gelder stammen nach seinen Angaben aus Auszahlungen von Online-Wettanbietern beziehungsweise Online-Casinos. Erst durch eigene Recherchen wurde ihm bewusst, dass die betreffenden Glücksspielanbieter möglicherweise nicht über die erforderliche deutsche Erlaubnis verfügen.

Die ING hat eine Frist zur Vorlage der Nachweise gesetzt. Der Kontoinhaber hat vorsorglich eine Fristverlängerung beantragt und sucht nun kurzfristig anwaltliche Unterstützung.

Was muss gegenüber der ING offengelegt werden? Können Auszahlungen aus möglicherweise unerlaubtem Online-Glücksspiel eine Kontosperrung oder Strafanzeige auslösen? Und wie lässt sich eine rechtlich sorgfältige Stellungnahme vorbereiten?

Die wichtigste Antwort vorweg: Die ING darf die Herkunft solcher Gutschriften prüfen. Eine Auszahlung von einem Online-Casino ist aber nicht automatisch strafbar, und eine Herkunftsanfrage bedeutet noch keine Strafanzeige. Wenn Zweifel an der deutschen Glücksspielerlaubnis bestehen, sollten vor einer ausführlichen Stellungnahme sowohl die geldwäscherechtlichen als auch die strafrechtlichen Risiken geprüft werden.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Über mein Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung anfragen.

Warum verlangt die ING einen Mittelherkunftsnachweis für Casino-Auszahlungen?

Banken sind nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet, Geschäftsbeziehungen und Transaktionen risikoorientiert zu überwachen.

Zahlungseingänge von Glücksspielplattformen oder zwischengeschalteten Zahlungsdienstleistern können zusätzliche Fragen auslösen. Das gilt insbesondere dann, wenn der wirtschaftliche Ursprung der Gelder aus dem Buchungstext nicht erkennbar ist.

Die ING möchte möglicherweise wissen, von welchen Anbietern die Beträge stammen, weshalb sie ausgezahlt wurden und welche Unterlagen den Vorgang belegen.

Eine solche Prüfung ist nicht mit der Feststellung gleichzusetzen, dass der Kontoinhaber eine Straftat begangen hat.

Welche Bedeutung haben Fluxpay LTD und MiFinity Malta Limited?

Fluxpay LTD und MiFinity Malta Limited erscheinen nach der Schilderung als Absender der Bankgutschriften.

Für die rechtliche Einordnung ist jedoch entscheidend, welcher Glücksspielanbieter hinter der jeweiligen Zahlung steht.

Ein Zahlungsdienstleister kann lediglich die technische Abwicklung übernehmen. Aus seinem Namen allein lässt sich nicht sicher ableiten, welches Spielangebot genutzt wurde oder ob dieses in Deutschland erlaubt war.

Deshalb sollten sämtliche Gutschriften den tatsächlichen Glücksspielkonten und Auszahlungsanträgen zugeordnet werden.

Erst danach lässt sich die Herkunftskette zuverlässig beurteilen.

Sind Auszahlungen aus Online-Casinos in Deutschland grundsätzlich verboten?

Nein. Online-Glücksspiel ist in Deutschland nicht ausnahmslos verboten.

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen erlaubnispflichtige Angebote, beispielsweise bestimmte virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten.

Allerdings benötigt der jeweilige Anbieter die passende Erlaubnis für das konkrete Angebot.

Eine ausländische Lizenz allein genügt dafür nicht automatisch.

Ob die vom Kontoinhaber genutzten Plattformen rechtmäßig angeboten wurden, muss deshalb für den maßgeblichen Zeitraum und die jeweiligen Spiele geprüft werden.

Wie überprüfe ich die deutsche Lizenz eines Glücksspielanbieters?

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die amtliche Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder.

Dort werden erlaubte Glücksspielveranstalter und Vermittler mit ihren zugelassenen Angeboten aufgeführt.

Bei der Prüfung genügt es nicht immer, nur nach einem Markennamen zu suchen. Entscheidend können auch die Betreiberfirma, die Internetdomain, die konkrete Spielart und der Nutzungszeitraum sein.

Außerdem ist zu unterscheiden, ob eine Plattform heute eine Erlaubnis besitzt oder bereits zum Zeitpunkt der betreffenden Spiele zugelassen war.

Droht wegen der Teilnahme an einem unerlaubten Online-Casino eine Strafbarkeit?

§ 285 StGB stellt unter bestimmten Voraussetzungen die Beteiligung an einem unerlaubten öffentlichen Glücksspiel unter Strafe.

Dafür muss zunächst geklärt werden, ob überhaupt ein unerlaubtes öffentliches Glücksspiel im rechtlichen Sinne vorlag.

Zusätzlich sind die persönlichen Voraussetzungen einer Strafbarkeit zu prüfen. Insbesondere ist relevant, welche Umstände dem Nutzer bekannt waren.

Nicht jede Zahlung von einem ausländischen Casino begründet automatisch eine Strafbarkeit nach § 285 StGB.

Wenn konkrete Zweifel an der Erlaubnissituation bestehen, sollte die rechtliche Bewertung jedoch erfolgen, bevor gegenüber der Bank umfangreiche Erklärungen abgegeben werden.

Kann eine Stellungnahme gegenüber der ING strafrechtliche Risiken auslösen?

Eine Stellungnahme kann Angaben enthalten, die später für weitere Prüfungen relevant werden.

Deshalb sollte der Kontoinhaber keine unzutreffenden Behauptungen aufstellen und auch keine vorschnellen rechtlichen Bewertungen abgeben.

Insbesondere wäre es problematisch, einen Glücksspielgewinn als gewöhnliche private Überweisung oder als Darlehensrückzahlung darzustellen, wenn dies nicht stimmt.

Umgekehrt muss gegenüber der Bank nicht ohne Prüfung jede denkbare strafrechtliche Schlussfolgerung selbst formuliert werden.

Eine anwaltlich vorbereitete Stellungnahme sollte wahrheitsgemäß, präzise und auf die tatsächlich gestellten Herkunftsfragen bezogen sein.

Muss ich der ING meine vollständige Spielhistorie offenlegen?

Das hängt davon ab, welche Informationen die Bank konkret benötigt.

Für einen Mittelherkunftsnachweis können Kontoauszüge des Glücksspielanbieters, Einzahlungsbelege, Auszahlungsbestätigungen und Transaktionsübersichten relevant sein.

Ob eine vollständige Spielhistorie erforderlich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Es kann sinnvoll sein, zunächst die angeforderten Angaben zu strukturieren und zu prüfen, welche Dokumente die einzelnen Zahlungseingänge tatsächlich erklären.

Die Bank darf im Rahmen ihrer gesetzlichen Pflichten allerdings weitere Unterlagen verlangen.

Welche Nachweise sollte ich für die 18.082 Euro zusammentragen?

Für den geschilderten Fall würde ich eine nachvollziehbare Übersicht sämtlicher Zahlungen erstellen.

Diese sollte für jede Gutschrift das Datum, den Betrag, den Zahlungsdienstleister und den zugehörigen Glücksspielanbieter enthalten.

Dazu gehören möglichst die Auszahlungsbestätigungen der Plattformen, die entsprechenden Kontoübersichten und die ursprünglichen Einzahlungen.

Besonders hilfreich ist eine eindeutige Verbindung zwischen dem Glücksspielkonto, dem Zahlungsdienstleister und der ING-Gutschrift.

So lässt sich der wirtschaftliche Ursprung der Gelder nachvollziehen, ohne dass die Bank die einzelnen Transaktionen selbst rekonstruieren muss.

Ist die Herkunft des ursprünglichen Spieleinsatzes ebenfalls relevant?

Ja, möglicherweise.

Ein Mittelherkunftsnachweis kann nicht nur die Auszahlung betreffen, sondern auch die Frage, aus welchen Mitteln die ursprünglichen Spieleinsätze finanziert wurden.

Wenn die Einzahlungen beispielsweise von einem eigenen Girokonto oder einer Kreditkarte erfolgten, können entsprechende Zahlungsbelege hilfreich sein.

Dabei sollte zwischen eingesetztem Eigenkapital und tatsächlich erzielten Gewinnen unterschieden werden.

Eine nachvollziehbare Gesamtrechnung verhindert außerdem, dass sämtliche Auszahlungen fälschlich als reiner Gewinn dargestellt werden.

Kann die ING mein Konto wegen dieser Gutschriften sperren?

Eine Herkunftsanfrage bedeutet nicht automatisch, dass eine Kontosperrung bevorsteht.

Wenn die Bank gesetzlich erforderliche Prüfungen jedoch nicht abschließen kann, kommen unter bestimmten Voraussetzungen Einschränkungen oder die Beendigung der Geschäftsbeziehung in Betracht.

Auch besondere gesetzliche Vorgaben bei Verdachtsmeldungen können Auswirkungen auf die Durchführung von Transaktionen haben.

Welche Maßnahmen im konkreten Fall zulässig sind, hängt von den tatsächlichen Umständen ab.

Eine sorgfältige und fristgerechte Reaktion kann helfen, offene Fragen zu klären, garantiert aber keine uneingeschränkte Kontoführung.

Muss die ING bei Casino-Auszahlungen eine Strafanzeige erstatten?

Eine Bank ist nicht verpflichtet, wegen jeder Casino-Auszahlung automatisch Strafanzeige zu erstatten.

Allerdings bestehen nach § 43 GwG unter bestimmten Voraussetzungen Pflichten zur Abgabe einer Verdachtsmeldung an die zuständige Financial Intelligence Unit.

Eine geldwäscherechtliche Verdachtsmeldung ist nicht mit einer gewöhnlichen Strafanzeige gleichzusetzen.

Ob eine Meldung erforderlich ist, beurteilt die Bank anhand der gesetzlichen Voraussetzungen.

Ein Rechtsanwalt kann daher keine Zusicherung geben, dass eine bestimmte Stellungnahme jede Meldung verhindert.

War es richtig, eine Fristverlängerung zu beantragen?

Ja. Wenn eine Bank kurzfristig umfangreiche Nachweise verlangt, ist ein rechtzeitig gestellter und sachlich begründeter Verlängerungsantrag sinnvoll.

Wichtig ist allerdings, dass eine beantragte Fristverlängerung noch keine bewilligte Fristverlängerung darstellt.

Deshalb sollte geprüft werden, ob die ING den neuen Termin ausdrücklich bestätigt hat.

Falls noch keine Rückmeldung vorliegt, kann eine kurze Nachfrage erforderlich sein.

Die Frist sollte jedenfalls nicht kommentarlos verstreichen, während die Unterlagen vorbereitet werden.

Sollte ich der ING sofort eine ausführliche Erklärung schicken?

Bei einem gewöhnlichen, unproblematischen Zahlungseingang kann eine direkte Erläuterung ausreichen.

Hier bestehen jedoch zusätzlich mögliche glücksspiel- und strafrechtliche Fragen.

Deshalb würde ich zunächst die konkreten Bankanforderungen, die beteiligten Anbieter und die Transaktionsunterlagen prüfen.

Eine erste fristwahrende Antwort kann sinnvoll sein. Eine umfassende rechtliche Einordnung sollte aber nicht ohne ausreichende Tatsachengrundlage erfolgen.

Entscheidend ist, dass die Bank keine falschen oder irreführenden Angaben erhält.

Sind Gewinne aus Online-Casinos einkommensteuerpflichtig?

Gewinne aus gewöhnlichem privatem Glücksspiel sind in Deutschland grundsätzlich nicht allein wegen ihrer Auszahlung einkommensteuerpflichtig.

Ob besondere steuerliche Umstände vorliegen, hängt jedoch vom konkreten Sachverhalt ab.

Außerdem beantwortet eine mögliche Steuerfreiheit nicht die Frage nach der glücksspielrechtlichen Zulässigkeit.

Die drei Themen Einkommensteuer, Geldwäscheprävention und Glücksspielstrafrecht müssen deshalb getrennt untersucht werden.

Auch eine steuerfreie Auszahlung kann bei der Bank einen Mittelherkunftsnachweis auslösen.

Welche Schritte sind jetzt besonders dringend?

Bei einer bereits laufenden ING-Frist empfehle ich folgende Reihenfolge:

  1. Bankschreiben prüfen: Frist, verlangte Dokumente und mögliche Konsequenzen feststellen.
  2. Fristverlängerung bestätigen lassen: Nicht allein auf den gestellten Antrag vertrauen.
  3. Glücksspielanbieter identifizieren: Hinter Fluxpay und MiFinity die tatsächlichen Plattformen zuordnen.
  4. Erlaubnissituation prüfen: Deutsche Lizenz und relevante Spielangebote untersuchen.
  5. Transaktionen dokumentieren: Einzahlungen, Spiele und Auszahlungen nachvollziehbar erfassen.
  6. Strafrechtliche Risiken bewerten: Vor einer ausführlichen Stellungnahme rechtlich einordnen.
  7. ING gezielt antworten: Eine wahrheitsgemäße, strukturierte Herkunftserklärung mit geeigneten Belegen einreichen.

Mein wichtigster Rat: Versuchen Sie nicht, die Herkunft der Casino-Auszahlungen zu verschleiern. Gleichzeitig sollten mögliche strafrechtliche Fragen vor einer umfassenden schriftlichen Erklärung sorgfältig geprüft werden.

Welche Kosten entstehen bei anwaltlicher Unterstützung?

Die Kosten hängen davon ab, welche Leistungen erforderlich sind.

Eine erste Sichtung des ING-Schreibens und der vorhandenen Unterlagen unterscheidet sich erheblich von einer umfassenden glücksspiel- und strafrechtlichen Prüfung.

Auch eine anwaltliche Korrespondenz mit der Bank kann zusätzlichen Aufwand verursachen.

Deshalb wäre eine verbindliche Preisangabe ohne Kenntnis des Schreibens und der Transaktionen nicht seriös.

Vor einer kostenpflichtigen Beauftragung sollten der konkrete Leistungsumfang und die Vergütung transparent vereinbart werden.

Wie würde ich den konkreten ING-Fall rechtlich einordnen?

Die ING verlangt Nachweise für insgesamt ungefähr 18.082 Euro, die über Fluxpay LTD und MiFinity Malta Limited eingegangen sind.

Der Kontoinhaber erklärt, dass die Beträge aus Online-Glücksspiel stammen. Gleichzeitig bestehen Zweifel, ob die beteiligten Anbieter in Deutschland über die erforderlichen Erlaubnisse verfügten.

Meine erste rechtliche Einschätzung: Die Herkunft der Zahlungen sollte anhand der Plattformunterlagen dokumentiert werden. Vor einer umfassenden Stellungnahme ist aber zu prüfen, ob die konkreten Glücksspielangebote rechtlich zulässig waren und welche Risiken sich daraus ergeben.

Eine automatische Kontosperrung oder Strafbarkeit lässt sich aus den bisherigen Angaben nicht ableiten.

Rechtsanwalt Martin Wehrmann: Hilfe bei ING-Mittelherkunftsnachweisen aus Online-Glücksspiel

Zahlungseingänge von Online-Casinos und Sportwettenanbietern können bei Banken umfangreiche Prüfungen auslösen. Besonders sensibel sind Fälle, in denen die deutsche Erlaubnissituation des Anbieters unklar ist.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht und beschäftige mich mit Mittelherkunftsnachweisen, Bankprüfungen und digitalen Zahlungswegen.

Über mein seit 2021 betriebenes Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung anfragen.

Übermitteln Sie möglichst das ING-Schreiben mit Fristsetzung, die betreffenden Zahlungseingänge und die Namen der Glücksspielanbieter. So lässt sich beurteilen, welche Schritte kurzfristig sinnvoll sind, ob ergänzende strafrechtliche Expertise benötigt wird und welche Kosten für eine weitergehende Beauftragung entstehen würden.