Scalable Capital verlangt Mittelherkunftsnachweis für 600.000 Euro ETF-Vermögen: Welche Unterlagen reichen aus?
Ein Anlegerpaar besitzt bei Scalable Capital ein ETF-Depot mit einem Wert von rund 600.000 Euro. Das Vermögen ist über viele Jahre entstanden: durch Einkommen aus einem fast 20-jährigen Angestelltenverhältnis, kontinuierliches Sparen, Festgeldanlagen, Erbschaften und Wertsteigerungen der ETFs seit 2021.
Anfang 2026 wurden die ETFs von der DKB zu Scalable übertragen, um die Geldanlage bei einem Broker zu bündeln. Im April 2026 forderte Scalable einen Mittelherkunftsnachweis an.
Das Paar reichte umfangreiche Unterlagen ein: einen Erbschein, zwei Immobilienkaufverträge im Zusammenhang mit einer Erbschaft, Nachweise über aufgelöste Bausparverträge, Steuerbescheinigungen und Kontoauszüge.
Trotzdem teilte Scalable mit, die Unterlagen reichten nicht aus, um das Gesamtvermögen vollständig zu erklären. Zugleich setzte der Broker eine Frist bis zum 18. September 2026 und kündigte an, andernfalls die Geschäftsbeziehung nicht fortsetzen zu können.
Welche Nachweise fehlen? Müssen wirklich 20 Jahre Gehaltsabrechnungen eingereicht werden? Wie weist man Wertsteigerungen und einen ETF-Depotübertrag nach? Und darf Scalable wegen unvollständiger Unterlagen das Depot kündigen?
Die wichtigste Antwort vorweg: Ein Mittelherkunftsnachweis für ein über Jahrzehnte aufgebautes Vermögen muss nicht zwangsläufig aus jeder einzelnen historischen Gehaltsabrechnung bestehen. Entscheidend ist eine nachvollziehbare Darstellung der wesentlichen Vermögensquellen und ihrer Entwicklung. Welche Dokumente Scalable im konkreten Fall benötigt, sollte möglichst präzise geklärt werden.
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Über mein Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung anfragen.
Warum verlangt Scalable Capital einen Mittelherkunftsnachweis für ein ETF-Depot?
Finanzinstitute müssen nach dem Geldwäschegesetz ihre Kundenbeziehungen überwachen und bestimmte Vermögensbewegungen nachvollziehen.
Bei einem Depotvolumen von rund 600.000 Euro kann Scalable deshalb Informationen zur wirtschaftlichen Herkunft des Vermögens anfordern. Das gilt auch dann, wenn die ETFs ursprünglich bei einer anderen deutschen Bank verwahrt wurden.
Eine Herkunftsprüfung bedeutet nicht automatisch, dass ein Verdacht auf Geldwäsche besteht. Sie kann Teil der gesetzlichen Sorgfaltspflichten des Brokers sein.
Warum reichen Erbschein, Immobilienkaufverträge und Kontoauszüge nicht aus?
Die eingereichten Dokumente belegen möglicherweise einzelne Vermögensquellen, erklären aber nicht zwingend den gesamten Depotwert.
Ein Erbschein weist beispielsweise die Erbenstellung nach. Er zeigt nicht automatisch, welcher konkrete Geldbetrag aus dem Nachlass zugeflossen ist.
Ein Immobilienkaufvertrag kann einen Verkaufspreis dokumentieren. Für die tatsächliche Vermögenszufuhr können zusätzlich Kontoauszüge über den Kaufpreiseingang erforderlich sein.
Auch Bausparunterlagen und Steuerbescheinigungen sollten möglichst mit den entsprechenden Geldbewegungen verbunden werden.
Muss ich für einen Mittelherkunftsnachweis 20 Jahre Gehaltsabrechnungen vorlegen?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, bei jeder Herkunftsprüfung sämtliche Gehaltsabrechnungen der vergangenen 20 Jahre einzureichen, besteht nicht.
Bei langfristig angespartem Vermögen können andere Dokumente eine sinnvolle Alternative darstellen. Dazu gehören beispielsweise ältere Einkommensteuerbescheide, Jahreslohnsteuerbescheinigungen, Rentenversicherungsverläufe und ausgewählte Kontoauszüge.
Wichtig ist, dass das regelmäßige Einkommen und die daraus entstandene Sparfähigkeit nachvollziehbar werden.
Ob Scalable diese Unterlagen als ausreichend bewertet, hängt von den konkreten offenen Fragen ab.
Wie kann ich ein über Jahrzehnte aufgebautes Vermögen plausibel erklären?
Bei langfristigem Vermögensaufbau empfehle ich eine chronologische Übersicht über die wesentlichen Einnahmen, Sparvorgänge und Vermögensumschichtungen.
Dabei sollten regelmäßige Gehaltseinkünfte, Erbschaften, Immobilienverkäufe, aufgelöste Bausparverträge und frühere Geldanlagen getrennt erfasst werden.
Anschließend wird dargestellt, wie diese Mittel in Festgeld, ETFs oder andere Anlagen geflossen sind.
Entscheidend ist nicht, jede alltägliche Kontobewegung zu rekonstruieren, sondern die wesentlichen Vermögensquellen verständlich miteinander zu verbinden.
Wie weise ich die Herkunft eines ETF-Depotübertrags von der DKB nach?
Ein Depotübertrag ist zunächst keine neue Einzahlung von Geld. Vielmehr werden bereits vorhandene Wertpapiere von einem Depot zu einem anderen übertragen.
Deshalb sollte der Herkunftsnachweis zwei Ebenen unterscheiden: den unmittelbaren Übertrag von der DKB zu Scalable und die ursprüngliche Finanzierung der ETF-Käufe bei der DKB.
Geeignete Unterlagen sind die Depotübertragsbestätigung, historische DKB-Depotauszüge und vorhandene Wertpapierabrechnungen.
Besonders hilfreich sind Jahresdepotauszüge, die den langfristigen Aufbau des ETF-Bestands dokumentieren.
Sind ETF-Wertsteigerungen Teil des Mittelherkunftsnachweises?
Ja, denn der heutige Depotwert kann deutlich höher sein als die ursprünglich investierten Beträge.
Wenn ETFs seit 2021 im Wert gestiegen sind, muss der Anleger nicht für jeden Euro Wertsteigerung eine zusätzliche Gehaltszahlung oder Erbschaft nachweisen.
Die Kursentwicklung lässt sich grundsätzlich anhand von Depotabrechnungen und historischen Bestandswerten dokumentieren.
Für Scalable sollte erkennbar werden, welcher Anteil des heutigen Vermögens auf Einzahlungen und welcher auf Wertentwicklungen zurückzuführen ist.
Wie dokumentiere ich Zinsen aus Festgeldanlagen?
Zinserträge können über Jahressteuerbescheinigungen, Kontoauszüge und Abrechnungen der jeweiligen Bank nachvollzogen werden.
Wurden Festgelder mehrfach verlängert oder zwischen verschiedenen Banken übertragen, kann eine Übersicht über Anfangskapital, Zinserträge und spätere Auszahlungen sinnvoll sein.
Nicht jede frühere Festgeldanlage muss zwangsläufig vollständig rekonstruiert werden. Entscheidend ist, ob die wesentlichen Vermögensbewegungen plausibel erklärt werden können.
Welche Unterlagen sind bei einer Erbschaft besonders wichtig?
Bei geerbtem Vermögen ist der Erbschein häufig nur der Ausgangspunkt.
Zusätzlich können Nachlassverzeichnisse, Kontoauszüge des Nachlasskontos, Erbauseinandersetzungsvereinbarungen und Unterlagen über Immobilienverkäufe relevant sein.
Wenn zwei Immobilien verkauft wurden, sollte nachvollziehbar sein, welcher Kaufpreis erzielt wurde und welcher Betrag dem jeweiligen Erben tatsächlich zugeflossen ist.
Eine übersichtliche Darstellung verhindert, dass der Broker verschiedene Nachlassvorgänge falsch miteinander verknüpft.
Was bedeutet die Aufforderung, das Gesamtvermögen vollständig zu begründen?
Diese Formulierung ist erklärungsbedürftig. Es sollte geklärt werden, ob Scalable die Herkunft des gesamten Depotwerts, bestimmter Einzahlungen oder einzelner Vermögensquellen nicht ausreichend nachvollziehen kann.
Eine pauschale Aufforderung kann für Kunden schwierig sein, wenn bereits umfangreiche Unterlagen eingereicht wurden.
Ich empfehle deshalb, schriftlich um Konkretisierung zu bitten: Welche Vermögenspositionen sind noch offen? Welche Dokumente werden konkret erwartet? Und welcher Zeitraum soll abgedeckt werden?
Darf Scalable Capital eine Geschäftsbeziehung wegen fehlender Nachweise beenden?
Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Wenn ein Finanzinstitut gesetzlich erforderliche Sorgfaltspflichten nicht erfüllen kann, kann es verpflichtet sein, eine Geschäftsbeziehung nicht fortzusetzen.
Daneben können vertragliche Kündigungsrechte bestehen. Ob eine konkrete Kündigung rechtmäßig wäre, hängt von den Umständen und den geltenden Vertragsbedingungen ab.
Eine solche Ankündigung sollte deshalb ernst genommen werden. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das ETF-Vermögen verloren geht.
Was passiert mit den ETFs, wenn Scalable das Depot kündigt?
Eine Kündigung der Geschäftsbeziehung führt grundsätzlich nicht dazu, dass der Broker Eigentümer der Wertpapiere wird.
Je nach vertraglicher und rechtlicher Situation kann ein Übertrag der Wertpapiere auf ein anderes Depot erforderlich werden.
Allerdings sollten mögliche Verfügungsbeschränkungen, Bearbeitungszeiten und die konkrete Abwicklung frühzeitig geklärt werden.
Ein vorschneller Verkauf des gesamten ETF-Bestands ist nicht automatisch erforderlich und könnte steuerliche Folgen auslösen.
Sollte ich die ETFs vorsorglich zu einer anderen Bank übertragen?
Ein Depotübertrag kann grundsätzlich eine Option sein. Er sollte jedoch nicht als Mittel verstanden werden, eine laufende Herkunftsprüfung zu umgehen.
Auch eine andere Bank kann eigene geldwäscherechtliche Fragen stellen. Zudem können bei Scalable bereits Einschränkungen bestehen, die den Übertrag beeinflussen.
Deshalb sollte zunächst der konkrete Prüfungsstand geklärt werden. Eine Entscheidung über einen Depotwechsel sollte auf dieser Grundlage erfolgen.
Ist die Frist bis zum 18. September 2026 angemessen?
Ob eine Frist angemessen ist, hängt insbesondere davon ab, welche Unterlagen verlangt werden und wie aufwendig ihre Beschaffung ist.
Bei einem Vermögen, das über fast 20 Jahre aufgebaut wurde, kann die Zusammenstellung historischer Dokumente erhebliche Zeit beanspruchen.
Eine schriftliche Bitte um Fristverlängerung ist deshalb sinnvoll. Wichtig ist, dass die Anfrage rechtzeitig gestellt und dokumentiert wird.
Ein Anspruch auf eine bestimmte Verlängerung besteht allerdings nicht in jedem Fall.
Was tun, wenn Scalable auf die Fristverlängerung nicht reagiert?
Die bisherige Korrespondenz sollte vollständig gesichert werden. Dazu gehören das Schreiben aus April 2026, die eingereichten Unterlagen und die erneute Aufforderung.
Zusätzlich empfehle ich eine kurze schriftliche Nachricht, in der der aktuelle Bearbeitungsstand dargestellt und um Bestätigung der Fristverlängerung gebeten wird.
Wenn möglich, sollten bereits vorhandene ergänzende Unterlagen eingereicht werden. Das zeigt, dass die Herkunftsprüfung aktiv bearbeitet wird.
Eine ausbleibende Antwort bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Frist verlängert wurde.
Wie sollte eine Vermögensübersicht für Scalable aufgebaut werden?
Ich empfehle eine übersichtliche Aufstellung der wesentlichen Vermögensquellen.
| Vermögensquelle | Mögliche Nachweise |
| Gehalt aus langjähriger Beschäftigung | Steuerbescheide, Jahreslohnsteuerbescheinigungen |
| Erbschaften | Erbschein, Nachlassunterlagen, Kontoauszüge |
| Immobilienverkäufe | Kaufverträge, Kaufpreiseingänge |
| Aufgelöste Bausparverträge | Vertrags- und Auszahlungsabrechnungen |
| Festgeld und Zinsen | Jahresabrechnungen, Steuerbescheinigungen |
| ETF-Käufe bei der DKB | Kaufabrechnungen, Depotauszüge |
| Depotübertrag zu Scalable | Übertragsbestätigung |
| Wertsteigerungen seit 2021 | Historische und aktuelle Depotwerte |
Diese Übersicht sollte mit einer kurzen Erläuterung versehen werden, wie die verschiedenen Vermögensquellen zusammenhängen.
Muss Scalable jede eingereichte Erklärung akzeptieren?
Nein. Scalable muss seine gesetzlichen Sorgfaltspflichten eigenständig erfüllen und darf bei offenen Fragen weitere Informationen verlangen.
Allerdings können Kunden erwarten, dass ihre Unterlagen sachgerecht geprüft werden. Wenn eine pauschale Ablehnung erfolgt, kann eine konkrete Rückfrage sinnvoll sein.
Ein anwaltlich aufbereiteter Herkunftsnachweis kann helfen, Unklarheiten zu beseitigen. Eine verbindliche Garantie für die Anerkennung besteht aber nicht.
Wann ist anwaltliche Unterstützung sinnvoll?
Anwaltliche Unterstützung kann besonders dann sinnvoll sein, wenn bereits umfangreiche Unterlagen eingereicht wurden und dennoch eine Kündigung der Geschäftsbeziehung droht.
In meiner Kanzlei WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht beschäftige ich mich mit Mittelherkunftsnachweisen für Banken, Broker und größere Vermögenswerte.
Eine anwaltliche Prüfung kann klären, welche Dokumente fehlen, wie die Vermögensentwicklung verständlich dargestellt werden kann und welche rechtlichen Schritte bei einer drohenden Kontokündigung in Betracht kommen.
Welche Schritte empfehle ich dem Anlegerpaar jetzt?
Für das ETF-Depot mit rund 600.000 Euro würde ich folgende Vorgehensweise empfehlen:
- Korrespondenz prüfen: Alle Schreiben und bisherigen Antworten von Scalable auswerten.
- Fristverlängerung nachhalten: Eine schriftliche Bestätigung verlangen.
- Vermögensquellen auflisten: Gehalt, Erbschaften, Bausparen, Festgeld und ETFs trennen.
- DKB-Unterlagen ergänzen: Historische Depotauszüge und Übertragsbelege zusammenstellen.
- Wertsteigerungen darstellen: Einzahlungen und Kursgewinne unterscheiden.
- Offene Fragen konkretisieren: Scalable um Benennung fehlender Nachweise bitten.
- Gesamtdokumentation einreichen: Eine chronologische Übersicht mit Anlagen erstellen.
Mein wichtigster Rat: Reichen Sie nicht wahllos weitere Dokumente ein. Versuchen Sie zunächst zu klären, welche konkreten Teile der Vermögensentwicklung Scalable noch nicht nachvollziehen kann.
Wie würde ich den konkreten Fall rechtlich einordnen?
Das Anlegerpaar hat nach eigener Darstellung über viele Jahre Vermögen aufgebaut. Die wesentlichen Quellen sind regelmäßige Erwerbseinkünfte, Erbschaften, Bausparverträge, Festgeldanlagen und langfristige ETF-Investitionen.
Der heutige Depotwert von rund 600.000 Euro enthält außerdem Wertsteigerungen seit 2021. Diese dürfen nicht mit zusätzlichen Einzahlungen verwechselt werden.
Meine erste rechtliche Einschätzung: Die vorhandenen Unterlagen bilden bereits eine wichtige Grundlage. Möglicherweise fehlt vor allem eine strukturierte Gesamtdarstellung, die den Weg von den ursprünglichen Vermögensquellen über die DKB bis zum heutigen Scalable-Depot erklärt.
Ob Scalable darüber hinaus bestimmte historische Dokumente verlangen darf und ob eine Kündigung rechtmäßig wäre, muss anhand der konkreten Korrespondenz geprüft werden.
Rechtsanwalt Martin Wehrmann: Hilfe beim Scalable-Mittelherkunftsnachweis
Wenn ein Broker bei einem größeren ETF-Depot einen Mittelherkunftsnachweis verlangt, können selbst über Jahrzehnte rechtmäßig aufgebaute Vermögen umfangreiche Rückfragen auslösen.
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht und beschäftige mich mit Mittelherkunftsnachweisen, Bankprüfungen und Problemen bei Wertpapierdepots.
Über mein seit 2021 betriebenes Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung anfragen.
Senden Sie möglichst die bisherigen Schreiben von Scalable, eine Übersicht der eingereichten Unterlagen und die aktuelle Fristsetzung. So lässt sich beurteilen, welche ergänzenden Nachweise sinnvoll sind und ob eine anwaltliche Vertretung gegenüber dem Broker erforderlich werden könnte.