Vietnam: Familienvermögen auf einem deutschen Konto – warum eine Vollmacht allein nicht genügt
Ihre Mutter besitzt Ersparnisse in Vietnam, Sie leben in Deutschland und sollen das Geld erhalten? Dann entscheidet nicht allein die Kontovollmacht. Wichtig sind die Eigentumsverhältnisse, der zulässige Auszahlungsgrund und die Frage, ob die deutsche Bank die Herkunft des Vermögens nachvollziehen kann.
Als Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht beschäftige ich mich mit solchen Herkunftsprüfungen. Auf mittelherkunftsnachweis.de können Sie Ihren Sachverhalt online oder per E-Mail einreichen und eine kostenfreie Ersteinschätzung erhalten.
Kontovollmacht oder Schenkung: Wem gehört das Geld tatsächlich?
Eine Vollmacht berechtigt zur Verfügung, überträgt aber nicht automatisch das Eigentum am Guthaben. Das wird problematisch, wenn ein Kind Geld seiner Eltern auf das eigene deutsche Konto erhalten soll.
Ich empfehle, zunächst den Rechtsgrund schriftlich festzuhalten: Schenkung, Darlehen, Erbschaft oder bloße Verwaltung fremden Vermögens.
Wichtig: Eine nachträglich formulierte Schenkungsvereinbarung ersetzt keine wahrheitsgemäße Darstellung früherer Vorgänge.
Welche vietnamesische Vorschrift betrifft private Auslandszahlungen?
Die vietnamesische Circular 20/2022/TT-NHNN regelt bestimmte einseitige Auslandszahlungen und weitere laufende Transaktionen ansässiger Personen.
Ob eine konkrete Zahlung zulässig ist, hängt unter anderem vom Aufenthaltsstatus, Empfänger und wirtschaftlichen Zweck ab.
Fragen Sie die ausführende Bank ausdrücklich, welche Dokumente sie für genau diesen Zahlungstyp benötigt. Eine allgemeine Aussage, dass Auslandszahlungen erlaubt seien, genügt nicht.
Alte Familienersparnisse: Wie belegt man Jahrzehnte zurückliegende Einnahmen?
Bei früheren Geschäftseinkünften können Gewerbeunterlagen, Steuerbescheide, Verkaufsrechnungen und historische Kontobewegungen relevant sein.
Bei landwirtschaftlichen Einkünften kommen beispielsweise Unterlagen über Landnutzungsrechte, Ernteverkäufe und dokumentierte Zahlungen hinzu.
Mein anwaltlicher Ansatz: Ich trenne belegte Tatsachen von plausiblen, aber bislang unbelegten Erklärungen. So werden Nachweislücken erkennbar, bevor die Bank widersprüchliche Angaben erhält.
Warum können vietnamesische Namen zu Rückfragen führen?
Vietnamesische Namen werden auf Urkunden und Kontoauszügen teilweise unterschiedlich geschrieben, etwa mit oder ohne diakritische Zeichen.
Auch die Reihenfolge der Namensbestandteile kann bei deutschen Banken Missverständnisse verursachen.
Erstellen Sie deshalb eine Zuordnung anhand von Reisepass, Geburtsurkunde und Kontoinhaberdaten. Das ist besonders wichtig bei Erbschaften und Familienzahlungen.
Bargeld im Reisegepäck: Welche Grenzen gelten?
Vietnam verlangt bei der Ein- und Ausreise grundsätzlich eine Zollanmeldung, wenn mehr als 5.000 US-Dollar Gegenwert in Fremdwährung oder mehr als 15 Millionen vietnamesische Dong mitgeführt werden.
Bei der Ausreise können zusätzliche Bankbestätigungen erforderlich sein. Die bloße Anmeldung erlaubt nicht automatisch jede Bargeldausfuhr.
Bei der Einreise in die EU müssen Barmittel ab 10.000 Euro angemeldet werden. Heben Sie sämtliche Zoll- und Herkunftsbelege auf.
5.000 bis eine Million Euro: Wann greift das Geldwäschegesetz?
Deutsche Banken können bereits bei 5.000, 10.000, 15.000, 20.000 oder 25.000 Euro Nachweise anfordern. Eine allgemeine gesetzliche Prüfungsfreigrenze existiert nicht.
Für 50.000, 75.000, 100.000, 200.000, 500.000 Euro oder eine Million Euro gilt ebenfalls: Maßgeblich sind Herkunft, Zahlungsweg und Risikoprofil.
Verdachtsmeldungen nach § 43 GwG haben keine pauschale Betragsschwelle. Künstliche Aufteilungen sollten vermieden werden.
Welche deutschen Steuer- und Meldepflichten entstehen?
Bestimmte Zahlungen zwischen in Deutschland und im Ausland ansässigen Personen von mehr als 50.000 Euro sind nach § 67 AWV meldepflichtig. Eigene Kontoüberträge sind grundsätzlich ausgenommen.
Bei Schenkungen und Erbschaften ist § 30 ErbStG zu beachten. Für Einkünfte und Veräußerungsgewinne kann außerdem das deutsch-vietnamesische Doppelbesteuerungsabkommen relevant sein.
Ein Geldtransfer allein begründet hingegen nicht automatisch Einkommensteuer.
Was tun, wenn die Bank eine Auszahlung verweigert?
Ich empfehle, zuerst festzustellen, ob die vietnamesische Ausgangsbank oder die deutsche Empfängerbank die Transaktion beanstandet.
Danach sollten Rechtsgrund, Identität der Beteiligten und Vermögensentstehung in einer nachvollziehbaren Unterlagenübersicht dargestellt werden. Bei deutschen Kontoeinschränkungen prüfe ich die bankrechtlichen Handlungsmöglichkeiten.
Als Rechtsanwalt Martin Wehrmann betreibe ich mittelherkunftsnachweis.de seit 2021 und unterstütze bei Mittelherkunftsnachweisen und Bankproblemen. Schildern Sie Ihren Vietnam-Fall online oder per E-Mail für eine kostenfreie Ersteinschätzung.