Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

100.000 Euro bei BISON auszahlen: Wann die Mittelherkunft zum Problem wird – und welche Belege Ihr Geld freimachen können

Veröffentlicht am 22.10.2026 –

Sie möchten 50.000 oder 100.000 Euro von BISON auf Ihr Bankkonto überweisen? Eine solche Auszahlung ist grundsätzlich möglich. BISON nennt kein generelles Auszahlungslimit, weist bei sehr hohen Summen aber auf mögliche Sicherheitsprüfungen hin. Es gibt keine allgemeine gesetzliche Regel, wonach bei exakt 50.000 oder 100.000 Euro automatisch ein Mittelherkunftsnachweis vorgelegt werden muss. Entscheidend sind das Risikoprofil, die Herkunft des Vermögens und die konkrete Transaktion.

Mein Rat als Rechtsanwalt: Bereiten Sie größere Auszahlungen vor, bevor Sie den Auftrag erteilen. Sichern Sie Verkaufsabrechnungen, historische Kryptokäufe und Bankunterlagen. Und klären Sie frühzeitig, ob auch Ihre empfangende Bank Nachweise benötigt.

100.000 Euro verkauft – und plötzlich beginnt die Prüfung

Ein ausdrücklich hypothetischer Fall: Eine Anlegerin hat 2018 Bitcoin für 12.000 Euro erworben. Jahre später verkauft sie einen Teil ihrer Bestände bei BISON für 100.000 Euro. Mit dem Erlös möchte sie eine Wohnung finanzieren.

Der Verkauf funktioniert. Das Euro-Guthaben erscheint in ihrem Konto. Doch bei der Überweisung auf ihr Girokonto entstehen Rückfragen zur Vermögensherkunft. Die ursprüngliche Kaufabrechnung liegt auf einem alten Computer, die damalige Bankverbindung existiert nicht mehr.

Die entscheidende Frage lautet jetzt nicht, warum Bitcoin so stark gestiegen sind. Nachvollziehbar sein muss, wie aus ursprünglich investierten 12.000 Euro das heute verfügbare Kryptovermögen entstanden ist.

Gibt es bei BISON eine Grenze von 50.000 oder 100.000 Euro?

Nein, eine solche pauschale Auszahlungsgrenze veröffentlicht BISON nicht. Im offiziellen Hilfebereich zu Euro-Auszahlungen erklärt der Anbieter, dass grundsätzlich das gesamte verfügbare Euro-Guthaben ausgezahlt werden kann.

Die reguläre Überweisung dauert laut BISON ein bis drei Bankarbeitstage. Bei hohen Beträgen können jedoch zusätzliche Sicherheitsprüfungen erfolgen. Eine Verzögerung beweist deshalb noch keinen strafrechtlichen Verdacht.

Ich empfehle, zwischen Auszahlungslimit, technischer Bearbeitungszeit und geldwäscherechtlicher Prüfung zu unterscheiden. Diese drei Fragen werden oft vermischt, obwohl sie unterschiedliche Lösungen erfordern.

Warum können schon 50.000 Euro Rückfragen auslösen?

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 Geldwäschegesetz müssen Verpflichtete Geschäftsbeziehungen risikoorientiert überwachen. Dazu gehört erforderlichenfalls auch die Prüfung vorhandener Informationen über die Herkunft der Vermögenswerte.

Ein ungewöhnlicher Zahlungseingang kann deshalb auffallen, selbst wenn er unter 50.000 Euro liegt. Umgekehrt muss eine Auszahlung von 100.000 Euro nicht zwangsläufig blockiert werden, wenn die wirtschaftlichen Hintergründe nachvollziehbar sind.

Meine Empfehlung: Teilen Sie größere Beträge nicht künstlich in viele kleine Überweisungen auf, um Prüfungen zu vermeiden. Solche Aufteilungen können zusätzliche Fragen auslösen und erschweren die Dokumentation.

Welche Dokumente überzeugen bei größeren BISON-Auszahlungen?

Entscheidend ist die Beweiskette. Bei selbst gekauften Bitcoin sollten möglichst die ursprüngliche Bankzahlung, die Handelsabrechnung und die späteren Wallet-Transfers nachvollzogen werden können.

BISON nennt als mögliche Unterlagen beispielsweise Gehaltsnachweise, Steuererklärungen sowie Belege größerer Ein- und Auszahlungen. Bei geerbten Kryptowährungen können dagegen Nachlassunterlagen relevant sein; bei Schenkungen entsprechende Vereinbarungen und Übertragungsbelege.

Ich würde die Dokumente in einer chronologischen Übersicht zusammenführen: Geldherkunft, Anschaffung, Übertragungen, Verkauf bei BISON und beantragte Euro-Auszahlung. Jeder Schritt sollte anhand konkreter Unterlagen überprüfbar sein.

Was ist, wenn die Bitcoin vor zehn Jahren gekauft wurden?

Gerade alte Bitcoin können erhebliche Gewinne aufweisen, obwohl ursprünglich nur wenige Tausend Euro investiert wurden. Das ist wirtschaftlich erklärbar, ersetzt aber keine nachvollziehbare Dokumentation.

Unsere hypothetische Anlegerin könnte ältere Kontoauszüge anfordern, E-Mail-Archive durchsuchen und erhaltene Blockchain-Transaktionen auswerten. Dabei müssen fehlende Belege kenntlich bleiben.

Als Rechtsanwalt rate ich ausdrücklich davon ab, Erinnerungslücken mit frei geschätzten Erwerbsdaten zu schließen. Eine ehrliche, beleggestützte Rekonstruktion ist besser als eine scheinbar perfekte Geschichte mit Widersprüchen.

Die zweite Prüfung wartet möglicherweise bei Ihrer Hausbank

Auch wenn BISON die 100.000 Euro überweist, kann die empfangende Bank Fragen stellen. Sie unterliegt eigenen geldwäscherechtlichen Pflichten und muss größere Kryptogewinne möglicherweise unabhängig bewerten.

Eine aktuelle BISON-Verkaufsabrechnung erklärt zwar den Euro-Zahlungseingang. Sie beweist jedoch nicht unbedingt, woher die ursprünglich verkauften Bitcoin stammen.

Ich empfehle deshalb, die Herkunftsunterlagen auch für Ihre Hausbank bereitzuhalten. Bei zeitkritischen Immobilienkäufen sollte außerdem frühzeitig geklärt werden, ob die Finanzierung von einer rechtzeitigen Kontogutschrift abhängt.

BISON hält 100.000 Euro zurück: Welche Rechte bestehen?

Wird die Auszahlung blockiert, sollten Sie schriftlich fragen, ob eine Bankverbindung nicht freigeschaltet, eine Prüfung offen oder ein Nachweis unzureichend ist. Sichern Sie den Auszahlungsauftrag und sämtliche Support-Nachrichten.

Bei gesetzlichen Prüfpflichten kann eine vorübergehende Einschränkung gerechtfertigt sein. Eine pauschale, unbegrenzte Zurückhaltung lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten. Entscheidend sind die konkrete Rechtsgrundlage und mögliche Auszahlungsansprüche.

Ich empfehle bei erheblichen Beträgen eine frühzeitige anwaltliche Prüfung, statt wochenlang dieselben Dokumente erneut einzureichen.

Große BISON-Auszahlung geplant? So kann ich helfen

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Ich unterstütze bei der Prüfung von Mittelherkunftsnachweisen, der Rekonstruktion alter Bitcoin-Bestände und rechtlichen Problemen mit blockierten Auszahlungen.

Auf meinem seit 2021 betriebenen Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie mir Ihren Fall online oder per E-Mail für eine kostenfreie anwaltliche Ersteinschätzung schildern.

Gerade bei 50.000 oder 100.000 Euro lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung: Nicht die Höhe des Betrags allein entscheidet, sondern ob Sie seine Herkunft schlüssig erklären und belegen können.