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Mittelherkunft und Geldwäscherecht

BISON und Solaris: Konto plötzlich gesperrt oder gekündigt – wer jetzt für Ihr Geld verantwortlich ist

Veröffentlicht am 22.10.2026 –

BISON oder Solaris hat Ihr Konto gesperrt, eine Auszahlung gestoppt oder die Geschäftsbeziehung gekündigt? Dann müssen Sie zunächst feststellen, welches Unternehmen die Einschränkung veranlasst hat. Denn BISON ist keine eigenständige Bank. Für Euro-Guthaben arbeitet die Plattform unter anderem mit Solaris SE und der Deutschen Bank zusammen. Kryptowährungen werden dagegen über andere Vertragspartner verwahrt.

Meine wichtigste Empfehlung als Rechtsanwalt: Prüfen Sie Ihren konkreten Banking-Partner, sichern Sie die Kündigung und verlangen Sie schriftlich Auskunft über die Abwicklung Ihres Euro-Guthabens. Sind auch Bitcoin betroffen, müssen diese gesondert betrachtet werden.

Warum bei BISON plötzlich Solaris auftaucht

Der Name Solaris kann Anleger überraschen. Sie haben sich bei BISON registriert, Bitcoin gehandelt und Geld überwiesen. Plötzlich erhalten sie jedoch eine Mitteilung, in der Solaris als Bank genannt wird.

Dahinter steht die technische und rechtliche Aufteilung der Plattform.

BISON gehört zur Gruppe Börse Stuttgart. Seit Januar 2025 nutzt die Plattform neben Solaris auch die Deutsche Bank für die Verwahrung und Abwicklung von Euro-Guthaben. Für den Wertpapierhandel wird zusätzlich die Sutor Bank eingesetzt.

Nicht jeder BISON-Kunde hat deshalb automatisch Solaris als zuständigen Banking-Partner. Welches Institut Ihre Euro-Guthaben betreut, können Sie laut BISON in der App unter „Konto“ und „Kontoinformationen“ nachsehen.

Ein Konto, drei Vermögenspositionen – und unterschiedliche Zuständigkeiten

Ein hypothetischer Fall: Ein Anleger besitzt bei BISON 42.000 Euro und Bitcoin im Wert von 65.000 Euro. Plötzlich erhält er eine Nachricht über eine Kontosperre. Die Euro-Auszahlung funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig kann er seine Kryptowährungen nicht übertragen.

Juristisch sind das zwei unterschiedliche Probleme.

Die Euro-Abwicklung kann den beteiligten Banking-Partner und die vertragliche Struktur mit der EUWAX AG betreffen. Für die Kryptoverwahrung gelten andere Vertragsbeziehungen.

Bei der anwaltlichen Prüfung würde ich deshalb zuerst feststellen, welche Leistung eingeschränkt wurde, welcher Vertragspartner verantwortlich ist und welchen Anspruch der Anleger konkret geltend machen kann.

Solaris sperrt das Konto: Welche Gründe sind möglich?

Solaris erläutert auf seiner eigenen BISON-Supportseite, dass Konten unter anderem wegen zusätzlicher Identitäts- und Sicherheitsprüfungen vorübergehend eingeschränkt werden können.

Bei manuellen Prüfungen nennt Solaris einen Zeitraum von bis zu zwei Werktagen für die Zusammenstellung erforderlicher Informationen. Bleibt eine Rückmeldung aus, empfiehlt die Bank eine Kontaktaufnahme mit dem Support des jeweiligen Partners.

Das ist jedoch keine gesetzliche Garantie, dass jede Kontosperre nach zwei Tagen endet.

Ich empfehle, eine schriftliche Auskunft anzufordern, welche Unterlagen noch benötigt werden. Wichtig ist außerdem, ob lediglich eine einzelne Transaktion geprüft wird oder das gesamte Konto gesperrt ist.

Wenn Solaris kündigt: Ist das Guthaben verloren?

Nein. Eine wirksame Kontokündigung führt nicht automatisch zum Verlust vorhandener Gelder.

Solaris beschreibt in seinen Kundeninformationen verschiedene Gründe für eine Vertragsbeendigung, etwa schwerwiegende Vertragsverstöße oder Sicherheitsprobleme. Eine Kündigung bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass dem Kunden ein rechtswidriges Verhalten vorgeworfen wird.

Entscheidend ist die Abwicklung.

Meine Empfehlung: Fordern Sie eine Schlussabrechnung, die Angabe des vorhandenen Guthabens und Informationen über die vorgesehene Rückzahlung. Kontrollieren Sie zugleich, ob Ihr hinterlegtes Referenzkonto noch besteht und auf Ihren Namen lautet.

Eine Kontokündigung sollte nicht vorschnell mit einer behördlichen Vermögensbeschlagnahme gleichgesetzt werden.

Geldwäscheprüfung: Warum Herkunftsnachweise entscheidend werden

Banken und Kryptodienstleister unterliegen dem Geldwäschegesetz. § 10 GwG verpflichtet sie zur Erfüllung bestimmter Sorgfaltspflichten, einschließlich der risikoorientierten Überwachung von Geschäftsbeziehungen.

Gerade größere Kryptoverkäufe können Fragen zur ursprünglichen Vermögensherkunft aufwerfen.

In unserem hypothetischen Fall könnten die Bitcoin beispielsweise bereits 2017 für 6.000 Euro erworben worden sein. Jetzt sind sie 65.000 Euro wert.

Ich würde hier Banküberweisungen, historische Kaufabrechnungen und Wallet-Transfers zusammenstellen. Fehlen Originalunterlagen, kommt eine beleggestützte Rekonstruktion infrage.

Ein Kontoauszug über den aktuellen Bitcoin-Verkauf erklärt noch nicht den ursprünglichen Erwerb der Kryptowährungen.

Warum BISON und Solaris manchmal nur knapp antworten

Nicht jede zurückhaltende Auskunft ist ein Zeichen rechtswidrigen Verhaltens.

Nach § 47 GwG können Unternehmen verpflichtet sein, bestimmte Informationen über Geldwäscheverdachtsmeldungen vertraulich zu behandeln.

Daraus folgt aber keine pauschale Berechtigung, Auszahlungsansprüche dauerhaft ungeklärt zu lassen.

Ich empfehle deshalb, nicht ausschließlich nach einem möglichen Geldwäscheverdacht zu fragen. Zielführender sind konkrete Fragen zum Guthaben, zu fehlenden Unterlagen und zu möglichen Auszahlungshindernissen.

Wer hilft, wenn BISON und Solaris aufeinander verweisen?

BISON bezeichnet sich bei seinen Banking-Partnern als zentrale Anlaufstelle für Kundenanliegen. Für Beschwerden sollten Anleger daher zunächst das offizielle BISON-Kontaktformular verwenden.

Bei einer längeren Blockade empfehle ich, den gesamten Schriftverkehr zu sichern und eine formelle Beschwerde einzureichen.

Anwaltlich muss anschließend geklärt werden, gegen wen sich ein möglicher Auszahlungsanspruch richtet. Das hängt vom konkreten Vertragsmodell ab. Eine Beschwerde bei der BaFin kann aufsichtsrechtliche Fragen betreffen, ersetzt aber nicht die zivilrechtliche Durchsetzung individueller Ansprüche.

BISON und Solaris kündigen oder sperren: Wann sollten Sie handeln?

Besonders bei hohen Guthaben, fehlenden Herkunftsnachweisen oder einer angekündigten Kontoschließung empfehle ich eine frühzeitige anwaltliche Prüfung.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Meine Tätigkeit konzentriert sich auf Mittelherkunftsnachweise, gesperrte Bankguthaben, Bitcoin und andere Kryptowährungen sowie geldwäscherechtliche Herkunftsprüfungen.

Auf meinem seit 2021 betriebenen Fachportal mittelherkunftsnachweis.de können Sie mir Ihren Fall online oder per E-Mail für eine kostenfreie anwaltliche Ersteinschätzung schildern.

Entscheidend ist nicht allein, ob BISON oder Solaris Ihren Zugang gesperrt hat. Entscheidend ist, wer rechtlich zur Auszahlung verpflichtet ist, welche Prüfungen noch offenstehen und wie sich Ihre Vermögensansprüche sichern lassen.