Geld aus dem Libanon nach Deutschland überweisen: Was tun bei eingefrorenen Dollar und gesperrten Konten?
Sie besitzen 100.000 Dollar auf einem libanesischen Bankkonto, können davon aber keinen größeren Betrag nach Deutschland überweisen? Dann liegt das Problem möglicherweise nicht am deutschen Geldwäschegesetz, sondern an den seit 2019 bestehenden Einschränkungen des libanesischen Bankensystems.
Entscheidend ist, ob Ihr Guthaben tatsächlich international verfügbar ist. Ein alter Dollarbestand kann anderen Beschränkungen unterliegen als später eingezahlte, frei verfügbare Devisen.
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Ich befasse mich seit vielen Jahren mit Mittelherkunftsnachweisen, Bankkontosperren und internationalen Vermögensübertragungen. Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung an.
100.000 Dollar auf dem Konto – aber keine 100.000 Dollar verfügbar
Seit der libanesischen Bankenkrise werden ältere Fremdwährungsguthaben vielfach anders behandelt als tatsächlich verfügbare Dollar.
Für solche Altguthaben hat sich die Bezeichnung „Lollars“ eingebürgert.
Sie beschreibt Dollaransprüche gegen libanesische Banken, die nicht ohne Weiteres wie frei übertragbare US-Dollar verwendet werden können.
Der Kontostand allein sagt deshalb wenig darüber aus, welchen Betrag Sie tatsächlich nach Deutschland transferieren können.
Bei der Prüfung muss zuerst festgestellt werden, wann das Guthaben entstanden ist, welche Kontobedingungen gelten und welche Auszahlungsregelung die Bank anwendet.
Rundschreiben 158 und 166: Wie komme ich an mein Erspartes?
Die libanesische Zentralbank Banque du Liban hat Sonderregelungen für die schrittweise Auszahlung bestimmter Fremdwährungseinlagen eingeführt.
Besonders wichtig sind die Rundschreiben 158 und 166.
Sie unterscheiden sich hinsichtlich der erfassten Guthaben, Anspruchsvoraussetzungen und Auszahlungsmodalitäten.
Auch 2026 wurden die Vorschriften mehrfach geändert.
Eine monatliche Auszahlungsmöglichkeit bedeutet nicht, dass der gesamte Kontobestand sofort ins Ausland überwiesen werden darf.
Lassen Sie sich deshalb von Ihrer Bank schriftlich bestätigen, welcher Regelung Ihr Konto unterliegt und welche Beträge tatsächlich transferierbar sind.
„Fresh Dollars“: Warum das Eingangsdatum entscheidend sein kann
Anders als ältere Guthaben werden neu zugeflossene Fremdwährungsbeträge häufig als Fresh Funds oder Fresh Dollars bezeichnet.
Dafür können gesonderte Konten und Bedingungen gelten.
Ein aktueller Zahlungseingang aus einem Immobilienverkauf muss deshalb nicht denselben Beschränkungen unterliegen wie ein bereits 2018 vorhandenes Dollarvermögen.
Die Bezeichnung „Fresh“ garantiert allerdings weder eine erfolgreiche Auslandsüberweisung noch die Annahme durch eine deutsche Bank.
Verlangen Sie vor dem Verkauf oder der Überweisung eine verbindliche Klärung der konkreten Kontobedingungen.
Fiktiver Fall: 145.000 Dollar aus einem Verkauf in Beirut
Nadine lebt in Köln und verkauft ihren Anteil an einer geerbten Wohnung in Beirut.
Der ihr zustehende Kaufpreis beträgt 145.000 US-Dollar. Der Käufer möchte den Betrag auf ein libanesisches Konto überweisen.
Nadine fragt sich, ob sie das Geld anschließend nach Deutschland holen kann.
Dieses Beispiel ist ausdrücklich hypothetisch.
Der entscheidende Fehler wäre, ausschließlich über den Immobilienkaufvertrag zu verhandeln.
Vorher muss geklärt werden, auf welchem Konto der Erlös eingeht, wie die Bank den Betrag behandelt und ob eine internationale Auszahlung möglich ist.
Ein rechtmäßiger Verkauf schützt nicht davor, dass das Geld anschließend im libanesischen Bankensystem festliegt.
Immobilienverkauf: Welche Dokumente fehlen der deutschen Bank?
Bei Nadine müssen die Eigentumsverhältnisse, die Erbfolge und die Kaufpreiszahlung nachvollziehbar sein.
Hierfür können der Grundbuch- beziehungsweise Registerauszug, die Eigentumsübertragungsunterlagen, der Erbnachweis und die Bankbelege erforderlich sein.
Hinzu kommen gegebenenfalls Unterlagen über im Libanon angefallene Steuern und Gebühren.
Eine deutsche Bank kann außerdem fragen, weshalb der Kaufpreis von einer anderen Person als dem im Vertrag genannten Käufer gezahlt wurde.
Solche Abweichungen sollten nicht nachträglich durch unzutreffende Zahlungsbeschreibungen erklärt werden.
Libanesische Erbschaft: Welches Recht gilt überhaupt?
Bei Nachlässen mit Bezug zum Libanon können konfessionsbezogene Vorschriften und unterschiedliche Zuständigkeiten für familien- und erbrechtliche Fragen eine Rolle spielen.
Deshalb sollte nicht ungeprüft von einer Erbquote nach deutschem Recht ausgegangen werden.
Bei mehreren Erben muss dokumentiert werden, welcher Anteil dem Empfänger tatsächlich zusteht.
Eine Erbschaft kann außerdem in Deutschland steuerlich relevant sein, wenn die entsprechenden persönlichen Voraussetzungen vorliegen.
Die Übertragung des Nachlassgeldes und die steuerliche Behandlung des Erbfalls sind zwei verschiedene Vorgänge.
Geld von Eltern aus dem Libanon: Schenkung oder Unterstützung?
Erhalten Sie beispielsweise 80.000 Euro von Ihren Eltern, ist zunächst die rechtliche Einordnung wichtig.
Handelt es sich um eine endgültige Schenkung, eine Darlehensrückzahlung oder laufende Unterhaltsleistungen?
Für Schenkungen von Eltern an Kinder gilt in Deutschland grundsätzlich ein Freibetrag von 400.000 Euro je Elternteil innerhalb von zehn Jahren.
Nach § 30 ErbStG kann außerdem eine Anzeigepflicht bestehen.
Die deutsche Bank darf unabhängig von einer möglichen Steuerfreiheit Nachweise über die Vermögensherkunft der Eltern verlangen.
Deutsches Konto nach Libanon-Überweisung eingeschränkt
Deutsche Kreditinstitute müssen nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG Transaktionen überwachen. Bei erhöhten Risiken greifen gegebenenfalls verstärkte Sorgfaltspflichten nach § 15 GwG.
Bei Zahlungen mit Libanon-Bezug können zusätzlich Prüfungen beteiligter Personen und möglicher Finanzsanktionen erforderlich sein.
Nicht jede Zahlung aus dem Libanon ist sanktioniert. Entscheidend sind die konkret beteiligten Personen, Institute und Transaktionen.
Bei einer anwaltlichen Prüfung wird geklärt, ob lediglich Unterlagen fehlen, eine einzelne Gutschrift zurückgehalten wird oder das gesamte Konto eingeschränkt ist.
Bargeld aus Beirut: Welche Grenze gilt?
Nach dem libanesischen Gesetz Nr. 42/2015 bestehen bei grenzüberschreitend mitgeführten Zahlungsmitteln oberhalb von 15.000 US-Dollar Gegenwert zollrechtliche Erklärungs- beziehungsweise Offenlegungspflichten.
Bei der Einreise über eine EU-Außengrenze sind Barmittel ab 10.000 Euro grundsätzlich unaufgefordert anzumelden.
Für bestimmte grenzüberschreitende Bankzahlungen von mehr als 50.000 Euro kann zusätzlich eine AWV-Meldepflicht nach § 67 AWV bestehen. Eigenkontoüberträge sind grundsätzlich ausgenommen.
Eine ordnungsgemäße Zollerklärung macht ungeklärte Bargeldherkunft nicht automatisch unproblematisch.
Rechtsanwalt für Mittelherkunftsnachweis Libanon
Bei Geld aus dem Libanon sind zwei Fragen besonders wichtig: Ist das Vermögen tatsächlich transferierbar, und lässt sich seine Herkunft gegenüber der deutschen Bank belegen?
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Bei einer anwaltlichen Prüfung können insbesondere die libanesischen Kontounterlagen, die Eigentumsnachweise und die Gründe einer deutschen Kontoeinschränkung ausgewertet werden.
Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung an, wenn Sie Geld aus dem Libanon nach Deutschland bringen möchten oder Ihr Konto nach einer entsprechenden Zahlung gesperrt wurde.