Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

Geld aus Marokko nach Deutschland überweisen: Wenn die Bank den Transfer trotz Guthaben verweigert

Veröffentlicht am 13.10.2026 –

Sie möchten 150.000 Euro aus Marokko nach Deutschland holen, doch Ihre marokkanische Bank lehnt die Überweisung ab? Der Grund kann im Devisenrecht liegen. Marokkanische Dirham sind nicht uneingeschränkt ins Ausland transferierbar. Entscheidend ist insbesondere, wie das Geld erworben wurde, welchen Aufenthaltsstatus Sie haben und ob das Vermögen unter eine besondere Transferregelung fällt.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Mittelherkunftsnachweisen und internationalen Bankproblemen. Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung an.

Warum die Herkunft einer Immobilie wichtiger sein kann als ihr Verkaufspreis

In Marokko regelt das Office des Changes den Devisenverkehr. Seit 2026 gilt eine überarbeitete Instruction Générale des Opérations de Change (IGOC).

Eine zentrale Besonderheit betrifft Immobilien und andere Investitionen: Wurden sie ursprünglich mit ordnungsgemäß eingeführten Devisen finanziert, kann ein Konvertibilitätsregime die spätere Rückübertragung des Verkaufserlöses ermöglichen.

Fehlt dieser Nachweis, kann der Transfer erheblich schwieriger werden.

Der aktuelle Kaufvertrag beweist also noch nicht, dass der Erlös frei nach Deutschland überwiesen werden darf.

Fiktiver Fall: Die Wohnung in Tanger wurde mit Dirham gekauft

Youssef wohnt in Dortmund. Vor zwölf Jahren kaufte er eine Wohnung in Tanger. Damals bezahlte er den Kaufpreis aus einem marokkanischen Konto.

Heute verkauft er die Wohnung für umgerechnet 190.000 Euro und möchte den Erlös auf sein deutsches Konto übertragen.

Die marokkanische Bank fragt, wie der ursprüngliche Immobilienerwerb finanziert wurde.

Dieser Sachverhalt ist ausdrücklich fiktiv.

Für Youssef reicht es nicht, die aktuelle Verkaufsurkunde vorzulegen. Zunächst muss festgestellt werden, ob die damalige Investition unter das Konvertibilitätsregime fällt oder eine andere devisenrechtliche Grundlage für die Auszahlung besteht.

Warum ein alter Wechselbeleg plötzlich entscheidend wird

Wer eine Immobilie mit ausländischen Geldern erworben hat, sollte die damaligen Banküberweisungen und Umtauschbelege aufbewahren.

Relevant können insbesondere der ursprüngliche Kaufvertrag, Bankgutschriften, Devisenankaufsbelege und Unterlagen über die Finanzierung sein.

Wurde ein Teil des Kaufpreises durch einen marokkanischen Kredit finanziert, muss auch dessen Tilgung nachvollzogen werden.

Für bestimmte Immobilienfinanzierungen von Auslandsmarokkanern und ausländischen Nichtansässigen enthalten die Devisenvorschriften besondere Regeln.

Bei der anwaltlichen Prüfung ist deshalb nicht nur die Herkunft des Verkaufserlöses, sondern auch die Finanzierungsgeschichte der Immobilie zu rekonstruieren.

Das Konto heißt „convertible“ – ist damit alles erlaubt?

Marokkanische Banken führen unterschiedliche Kontotypen.

Dazu gehören Fremdwährungskonten und Konten in konvertiblen Dirham (comptes en dirhams convertibles).

Sie können für zulässige internationale Zahlungen besondere Möglichkeiten eröffnen.

Daneben existieren Konten mit eingeschränkter oder zeitlich gestaffelter Verfügbarkeit, etwa im Zusammenhang mit nicht frei transferierbaren Verkaufserlösen.

Die Bezeichnung eines Kontos darf daher nicht mit einer uneingeschränkten Ausfuhrerlaubnis verwechselt werden.

Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welcher Kontotyp vorliegt und welche konkreten Verfügungen zulässig sind.

Geerbtes Haus in Fès: Kann der Erbe den Kaufpreis ausführen?

Bei einer Erbschaft ist zunächst die Rechtsnachfolge zu klären.

In Marokko können insbesondere die erbrechtlichen Vorschriften der Moudawana, des marokkanischen Familiengesetzbuchs, relevant sein.

Ein Erbnachweis allein beantwortet jedoch nicht die Frage, ob der geerbte Vermögenswert ursprünglich devisenrechtlich begünstigt war.

Bei bestimmten ausländischen Investitionen kann das Konvertibilitätsregime auch für im Erbweg erworbene Vermögenswerte Bedeutung haben.

Die Erbenstellung und das Recht zur Übertragung des Erlöses ins Ausland müssen getrennt untersucht werden.

Zusätzlich können deutsche Erbschaftsteuerpflichten entstehen.

Eltern wollen 80.000 Euro schenken – warum sagt die Bank Nein?

Bei Schenkungen aus Marokko kann die marokkanische Devisenregulierung den Transfer begrenzen, selbst wenn die Eltern über ausreichendes Vermögen verfügen.

Deshalb sollte zunächst geklärt werden, ob eine zulässige Transferkategorie oder eine besondere Genehmigung in Betracht kommt.

In Deutschland gilt für Kinder grundsätzlich ein Schenkungsteuerfreibetrag von 400.000 Euro je Elternteil innerhalb von zehn Jahren.

Nach § 30 ErbStG besteht grundsätzlich eine dreimonatige Anzeigepflicht, soweit keine Ausnahme greift.

Die deutsche Steuerfreiheit einer Schenkung begründet keinen Anspruch auf eine Auslandsüberweisung durch die marokkanische Bank.

Darf ich stattdessen die Reisedevisenregelung nutzen?

Marokko erlaubt für private Auslandsreisen eine bestimmte Devisenzuteilung, die sogenannte Dotation pour voyages personnels.

Nach der IGOC 2026 kann diese aus einem Grundbetrag und einer einkommensabhängigen Ergänzung bestehen. Insgesamt gilt eine Obergrenze von 500.000 Dirham pro Person und Kalenderjahr.

Diese Regelung dient jedoch Reiseausgaben.

Sie ist keine allgemeine Erlaubnis, Immobilienerlöse oder Ersparnisse dauerhaft nach Deutschland zu verlagern.

Auch eine Aufteilung auf mehrere Reisen beseitigt nicht die rechtliche Zweckbindung.

Deutsches Konto gesperrt: Welche Unterlagen helfen?

Ist das Geld bereits in Deutschland angekommen, prüft die Empfängerbank möglicherweise die Mittelherkunft.

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG müssen Banken Transaktionen überwachen. Bei erhöhtem Risiko können zusätzliche Prüfungen nach § 15 GwG hinzukommen.

Bei Youssef wären insbesondere Eigentumserwerb, Immobilienverkauf, steuerliche Abwicklung und tatsächlicher Zahlungsweg zu dokumentieren.

Eine marokkanische Transfergenehmigung kann dabei hilfreich sein, ersetzt aber nicht sämtliche Herkunftsnachweise.

Bei einer fortdauernden Kontoeinschränkung kommt es darauf an, welche Informationen die Bank konkret verlangt und ob weitere rechtliche Schritte erforderlich sind.

Was ist vor der nächsten Überweisung zu klären?

Für bestimmte grenzüberschreitende Zahlungen von mehr als 50.000 Euro kann nach § 67 AWV eine deutsche Meldepflicht bestehen. Eigenkontoüberträge sind grundsätzlich ausgenommen.

Die AWV-Meldung macht eine nach marokkanischem Devisenrecht unzulässige Zahlung nicht rechtmäßig.

Mein Rat: Prüfen Sie zuerst die marokkanische Transferberechtigung und anschließend die Anforderungen der deutschen Empfängerbank.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de erhalten Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung, wenn Ihr Geld aus Marokko nicht überwiesen wird oder Ihr deutsches Konto nach einer Zahlung eingeschränkt ist.