Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

Tunesien: Die vergessene Investitionsbescheinigung kann den Verkaufserlös in Sousse festhalten

Veröffentlicht am 13.10.2026 –

Sie haben vor Jahren eine Wohnung in Hammamet gekauft und möchten den heutigen Verkaufserlös in Deutschland verwenden? Dann kann ein Dokument aus der Zeit des ursprünglichen Kaufs wichtiger sein als der neue Kaufvertrag: die tunesische Investitionsbescheinigung. Ohne geeignete Nachweise zur damaligen Finanzierung lässt sich der Rücktransfer unter Umständen nicht ohne Weiteres durchführen.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht und unterstütze bei Mittelherkunftsnachweisen, Vermögensherkunft und Problemen mit deutschen Banken. Auf mittelherkunftsnachweis.de können Sie Ihren Sachverhalt online oder per E-Mail für eine kostenfreie Ersteinschätzung schildern.

Weshalb zählt eine Überweisung von vor 15 Jahren?

Tunesien unterliegt einem eigenen Devisenrecht. Für Investitionen nichtansässiger Personen ist entscheidend, ob das eingesetzte Kapital ordnungsgemäß aus dem Ausland eingeführt wurde.

Die Zentralbank Banque Centrale de Tunisie (BCT) sieht dafür besondere Dokumentationsverfahren vor.

Suchen Sie alte Bankbelege über den damaligen Eurotransfer. Sie können heute ausschlaggebend sein, wenn der Erlös wieder ins Ausland gelangen soll.

Was ist die tunesische „Fiche d’investissement“?

Die Fiche d’investissement dokumentiert unter bestimmten Voraussetzungen eine Investition mit eingeführten Devisen.

Nach der BCT-Rundverfügung 2018-14 ist sie bei entsprechenden Investitionen nichtansässiger Personen für die spätere Rückführung von Kapital und Erträgen bedeutsam.

Fehlt das Dokument, sollte zunächst geprüft werden, ob sich die Investition anhand vorhandener Bankunterlagen nachweisen lässt. Eine nachträgliche Anerkennung darf nicht einfach vorausgesetzt werden.

Warum spielt Ihr damaliger Wohnsitz eine Rolle?

Die tunesischen Devisenvorschriften unterscheiden zwischen ansässigen und nichtansässigen Personen. Die Staatsangehörigkeit allein entscheidet darüber nicht.

Ein tunesischer Staatsbürger, der dauerhaft in Deutschland lebt, kann deshalb anders behandelt werden als ein in Tunesien ansässiger Angehöriger.

Ich empfehle, den damaligen und heutigen Aufenthaltsstatus durch geeignete Unterlagen zu dokumentieren.

Ferienwohnung in Djerba verkauft: Welche Belege gehören zusammen?

Für die Bank benötigen Sie Eigentumsnachweise, den registrierten Kaufvertrag und Unterlagen über den tatsächlichen Verkaufspreis.

Zusätzlich sollten Steuerzahlungen, gegebenenfalls bestehende Belastungen und die Schlussabrechnung nachvollziehbar sein.

Prüfen Sie vor dem Verkauf, ob eine behördliche Genehmigung für den konkreten Immobilienvorgang erforderlich ist. Bei bestimmten Geschäften ausländischer Eigentümer bestehen besondere Voraussetzungen.

Was passiert mit geerbten tunesischen Dinar?

Eine Erbschaft aus Tunis oder Sfax kann rechtmäßig erworben sein, ohne dass das Guthaben automatisch frei in Euro transferiert werden darf.

Erforderlich sind regelmäßig geeignete Nachlassunterlagen, Erbnachweise und eine Erklärung zur Herkunft des Vermögens.

Bei deutschen Erben müssen außerdem mögliche Erbschaftsteuer und die Anzeigepflicht nach § 30 ErbStG geprüft werden.

Eltern schenken Geld: Welche Frage wird häufig übersehen?

Neben der deutschen Schenkungsteuer stellt sich die Frage, ob die tunesische Ausgangsbank die beabsichtigte Zahlung überhaupt ausführen darf.

Dokumentieren Sie Verwandtschaft, Schenkungsabsicht und Vermögensherkunft des Geldgebers.

Bei Darlehen sollten zusätzlich Vertrag, ursprüngliche Auszahlung und Rückzahlungsvereinbarung vorhanden sein.

5.000 bis eine Million Euro: Wann prüft die deutsche Bank?

Schon 5.000, 10.000, 15.000, 20.000 oder 25.000 Euro können Rückfragen auslösen. Eine allgemeine gesetzliche Freigrenze existiert nicht.

Bei 50.000, 75.000, 100.000, 200.000, 500.000 Euro oder einer Million Euro sollten Vermögensentstehung und Zahlungsweg nachvollziehbar dokumentiert sein.

Verdachtsmeldungen nach § 43 GwG sind nicht an eine feste Betragsschwelle gebunden. Künstliche Teilzahlungen können zusätzliche Probleme schaffen.

Was ist neben dem tunesischen Devisenrecht zu beachten?

Bestimmte Zahlungen zwischen in Deutschland und im Ausland ansässigen Personen von mehr als 50.000 Euro sind nach § 67 AWV meldepflichtig. Eigene Kontoüberträge sind grundsätzlich ausgenommen.

Eine bloße Vermögensverlagerung löst nicht automatisch Einkommensteuer aus. Veräußerungsgewinne und Kapitalerträge können dagegen steuerlich relevant sein.

Bei der Einreise aus Tunesien in die EU müssen Barmittel ab 10.000 Euro angemeldet werden. Tunesische Ausfuhrbestimmungen sind zusätzlich einzuhalten.

Wie gehe ich bei einer verweigerten Auszahlung vor?

Ich kläre zuerst Investitionsstatus, Devisenberechtigung und Dokumentenlage. Anschließend prüfe ich die Anforderungen der deutschen Empfängerbank und mögliche Ansprüche bei einer fortdauernden Kontoeinschränkung.

Als Rechtsanwalt Martin Wehrmann betreibe ich mittelherkunftsnachweis.de seit 2021. Schildern Sie Ihren Tunesien-Fall online oder per E-Mail und nutzen Sie meine kostenfreie Ersteinschätzung.