Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

Geld aus England und dem Vereinigten Königreich nach Deutschland überweisen: Wenn Banken Nachweise verlangen oder hohe Beträge zurückhalten

Veröffentlicht am 13.10.2026 –

Sie möchten Geld aus England, Schottland, Wales oder Nordirland nach Deutschland überweisen? Das ist grundsätzlich auch nach dem Brexit erlaubt. Eine allgemeine gesetzliche Obergrenze für private Banküberweisungen aus dem Vereinigten Königreich besteht nicht.

Problematisch wird der Geldtransfer vor allem dann, wenn der Betrag aus einem Immobilienverkauf, einer britischen Limited, einer Erbschaft oder einer Pensionsauszahlung stammt. In diesen Fällen genügt es häufig nicht, den letzten Kontoauszug vorzulegen.

Entscheidend ist, wem das Geld rechtlich zusteht, aus welchem Vorgang es entstanden ist und ob die beteiligten Banken diesen Vorgang nachvollziehen können.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit grenzüberschreitenden Bankproblemen und Mittelherkunftsnachweisen. Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung an.

Der Kaufpreis liegt beim Solicitor – warum wird er nicht ausgezahlt?

Eine Besonderheit des englischen Immobilienrechts betrifft die Abwicklung von Hausverkäufen.

Beim sogenannten Conveyancing übernehmen regelmäßig Solicitors oder zugelassene Conveyancer die rechtliche Durchführung.

Der Kaufpreis gelangt deshalb nicht zwingend unmittelbar vom Käufer auf das Privatkonto des Verkäufers.

Häufig werden zunächst bestehende Hypotheken, Verfahrenskosten und weitere Verpflichtungen aus dem Verkaufserlös beglichen.

Erst anschließend wird der verbleibende Betrag ausgezahlt.

Für eine deutsche Bank kann dadurch eine ungewöhnliche Konstellation entstehen: Der Überweisungsabsender ist eine Anwaltskanzlei, obwohl der wirtschaftliche Ursprung ein privater Immobilienverkauf ist.

Hier sollten Kaufvertrag, Eigentumsunterlagen und insbesondere die abschließende Completion Statement zusammenpassen.

Ein Haus in Manchester verkauft: Ein ausdrücklich fiktiver Fall

Thomas lebte lange in Manchester und wohnt inzwischen in Düsseldorf.

Er verkauft sein früheres Haus für 410.000 Pfund. Davon werden 95.000 Pfund zur Ablösung einer Finanzierung verwendet. Nach weiteren Kosten verbleiben rund 308.000 Pfund.

Die Auszahlung erfolgt über das Mandantenkonto des englischen Solicitors.

Als Thomas den Betrag nach Deutschland überweisen lässt, verlangt seine Bank eine Erklärung, weshalb eine britische Anwaltskanzlei mehrere Hunderttausend Euro an ihn zahlt.

Dieses Beispiel ist ausdrücklich hypothetisch.

Die entscheidende Unterlage wäre nicht allein die Überweisungsbestätigung, sondern eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Eigentum, Verkauf, Kaufpreisabrechnung und endgültiger Auszahlung.

Die britische 60-Tage-Frist beim Immobilienverkauf

Bei britischen Immobilienverkäufen kann neben der Bankprüfung eine erhebliche steuerliche Frist bestehen.

Für bestimmte steuerpflichtige Gewinne aus britischen Wohnimmobilien ist eine Meldung und Zahlung der Capital Gains Tax grundsätzlich innerhalb von 60 Tagen nach Abschluss des Verkaufs erforderlich.

Für Personen ohne britische Steueransässigkeit gelten besondere Meldepflichten: Sie müssen Verkäufe britischer Grundstücke und Immobilien grundsätzlich auch dann melden, wenn keine Steuer anfällt.

Eine mögliche Steuerbefreiung für den früheren Hauptwohnsitz, die Private Residence Relief, ist gesondert zu prüfen.

Der Umzug nach Deutschland beseitigt nicht automatisch britische Pflichten im Zusammenhang mit einer dort gelegenen Immobilie.

Auch die deutschen Steuerfolgen hängen vom Einzelfall und vom deutsch-britischen Doppelbesteuerungsabkommen ab.

Limited zahlt 150.000 Pfund: Warum die Buchhaltung entscheidend ist

Wer eine britische Limited Company besitzt, kann nicht ohne Weiteres deren Kontoguthaben als eigenes Privatvermögen behandeln.

Nach britischem Recht müssen insbesondere Gewinnausschüttungen ordnungsgemäß beschlossen und dokumentiert werden.

Für Dividenden sind entsprechende Unterlagen, darunter ein Dividend Voucher, vorgesehen.

Eine weitere Besonderheit ist das sogenannte Director’s Loan Account.

Darüber werden finanzielle Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Gesellschaft und Geschäftsführer erfasst.

Überweist die Limited beispielsweise 150.000 Pfund an ihren Geschäftsführer, kann dies eine Dividende, Vergütung oder Darlehensrückzahlung sein.

Welche Einordnung zutrifft, muss aus der tatsächlichen Buchhaltung hervorgehen.

Eine Zahlung mit dem Verwendungszweck „Private Transfer“ schafft keinen persönlichen Auszahlungsanspruch.

Warum ein Director’s Loan zur Rückzahlungspflicht führen kann

Ein britisches Director’s Loan Account kann sowohl ein Guthaben als auch eine Schuld des Geschäftsführers ausweisen.

Hat der Geschäftsführer der Gesellschaft zuvor eigenes Geld geliehen, kann eine spätere Rückzahlung grundsätzlich nachvollziehbar sein.

Hat er dagegen mehr entnommen, als ihm zusteht, können steuerliche und gesellschaftsrechtliche Konsequenzen entstehen.

Besonders problematisch sind Ausschüttungen ohne ausreichende ausschüttungsfähige Gewinne.

Die britischen Behörden weisen darauf hin, dass rechtswidrige Dividenden gegebenenfalls zurückgezahlt werden müssen.

Bei einer größeren Überweisung nach Deutschland sollte deshalb zuerst geprüft werden, ob überhaupt eine wirksame Forderung gegen die Limited besteht.

Die Erbschaft kommt vom Executor statt vom Verstorbenen

Bei einem britischen Nachlass wird Geld häufig nicht unmittelbar vom Konto des Verstorbenen überwiesen.

Vielmehr verwalten Executors oder andere persönliche Nachlassvertreter das Vermögen.

In England und Wales kann hierfür ein Grant of Probate beziehungsweise ein anderer geeigneter Nachlassverwaltungsnachweis erforderlich sein.

Der Nachlass wird zunächst abgewickelt. Erst danach erhalten die Begünstigten ihre jeweiligen Anteile.

Für die deutsche Empfängerbank ist daher nicht nur die Identität des Überweisenden relevant.

Wesentlich sind Testament, Nachlassnachweis, Stellung des Begünstigten und eine nachvollziehbare Abrechnung.

Außerdem muss die mögliche deutsche Erbschaftsteuer geprüft werden. Ein britischer Erbschaftsteuerbescheid ersetzt keine deutsche steuerrechtliche Bewertung.

Schenkung aus England: Warum sieben Jahre nicht alles erklären

Im britischen Erbschaftsteuerrecht spielt bei bestimmten Schenkungen die bekannte Siebenjahresregel eine Rolle.

Unter bestimmten Voraussetzungen fällt eine Schenkung nach Ablauf von sieben Jahren nicht mehr in die britische Erbschaftsteuerberechnung beim Tod des Schenkers.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Überweisung nach Deutschland sieben Jahre lang gesperrt wäre.

Ebenso wenig handelt es sich um eine allgemeine Steuerbefreiung nach deutschem Recht.

In Deutschland richtet sich die Schenkungsteuer unter anderem nach dem Verwandtschaftsverhältnis, der Ansässigkeit und den persönlichen Freibeträgen.

Bei Eltern und Kindern beträgt der Freibetrag grundsätzlich 400.000 Euro je Elternteil innerhalb von zehn Jahren.

Britische und deutsche Fristen dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

Britische Pensionsgelder: Warum eine gewöhnliche Überweisung unmöglich sein kann

Ein weiteres Problem betrifft Menschen, die nach ihrer Beschäftigung im Vereinigten Königreich nach Deutschland zurückkehren.

Britische Pensionsansprüche können nicht beliebig auf ein deutsches Bankkonto übertragen werden.

Bei einer Übertragung auf ein ausländisches Pensionssystem gelten besondere Regeln für sogenannte Qualifying Recognised Overseas Pension Schemes (QROPS).

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine britische Overseas Transfer Charge von 25 Prozent entstehen.

Seit Oktober 2024 gelten zudem strengere Voraussetzungen für bestimmte Transfers in den Europäischen Wirtschaftsraum.

Eine Übertragung von Pensionsansprüchen ist außerdem von der späteren regulären Auszahlung einer Pension zu unterscheiden.

Wer eine solche Zahlung erwartet, sollte daher zuerst den konkreten Versorgungstyp und die Auszahlungsvoraussetzungen feststellen.

Brexit und SEPA: Weshalb die IBAN nicht das Problem löst

Das Vereinigte Königreich gehört trotz seines EU-Austritts weiterhin zum geografischen SEPA-Raum.

Damit sind Euroüberweisungen über teilnehmende Zahlungsdienstleister grundsätzlich möglich.

SEPA-Mitgliedschaft bedeutet jedoch nicht, dass jede Zahlung aus Großbritannien automatisch gebührenfrei oder genauso schnell wie eine inländische Überweisung erfolgt.

Hinzu kommt, dass viele britische Konten in Pfund Sterling geführt werden.

Vor dem Transfer muss daher entschieden werden, ob die Umrechnung in Großbritannien oder erst in Deutschland stattfinden soll.

Bei größeren Beträgen können Wechselkursaufschläge wirtschaftlich erheblich sein.

Auch die britischen Inlandssysteme Faster Payments, Bacs und CHAPS sind nicht mit einer grenzüberschreitenden Euroüberweisung gleichzusetzen.

Rückkehr nach Deutschland: Welcher Zeitpunkt entscheidet steuerlich?

Bei einem Wohnsitzwechsel ist nicht der Tag der Überweisung allein entscheidend.

Wesentlich ist, wann bestimmte Einkünfte erzielt wurden und in welchem Staat die betroffene Person zu diesem Zeitpunkt steuerlich ansässig war.

Das britische Steuerjahr beginnt grundsätzlich am 6. April und endet am 5. April des Folgejahres.

Für Zu- und Wegzüge kennt das britische Steuerrecht unter bestimmten Voraussetzungen eine Split-Year Treatment.

Deutschland beurteilt die unbeschränkte Einkommensteuerpflicht insbesondere nach § 1 Abs. 1 EStG.

Daraus können unterschiedliche steuerliche Zeiträume entstehen.

Bei Thomas müsste beispielsweise geprüft werden, ob der Immobilienverkauf vor oder nach der Begründung seiner deutschen Steuerpflicht erfolgte.

Neue britische Steuerregeln seit April 2025

Besonders bei internationalen Vermögen ist eine weitere Änderung relevant.

Das frühere britische Non-Dom-System mit der sogenannten Remittance Basis wurde zum 6. April 2025 grundlegend ersetzt.

An seine Stelle trat unter anderem ein neues, vierjähriges System für bestimmte ausländische Einkünfte und Gewinne neu zugezogener Personen.

Für frühere Nutzer der alten Regelung bestehen besondere Übergangsmechanismen.

Diese Reform ist vor allem dann wichtig, wenn ein britisches Konto Geld aus unterschiedlichen Ländern enthält.

Eine frühere steuerliche Begünstigung in Großbritannien bedeutet nicht automatisch, dass die spätere Überweisung nach Deutschland steuerlich ohne Bedeutung ist.

Die Bank hat den Betrag zurückgeschickt: Was sollte jetzt geschehen?

Wird eine Zahlung zurückgewiesen, sollte zunächst festgestellt werden, an welcher Stelle die Abwicklung gescheitert ist.

Die britische Absenderbank, eine Korrespondenzbank und das deutsche Empfängerinstitut können unterschiedliche Prüfungen vornehmen.

Bei einer internationalen Banküberweisung können Zahlungsreferenzen und entsprechende SWIFT-Nachrichten helfen, den Vorgang nachzuvollziehen.

Anschließend muss unterschieden werden, ob technische Zahlungsdaten fehlen oder ob die Bank den wirtschaftlichen Hintergrund beanstandet.

Mehrere neue Überweisungsversuche über Freunde oder Angehörige sind keine sachgerechte Lösung für einen ungeklärten Herkunftsnachweis.

Sie können vielmehr neue Fragen zur wirtschaftlichen Berechtigung auslösen.

Deutsches Konto gesperrt: Welche Rechte bestehen?

Deutsche Kreditinstitute müssen nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG Transaktionen überwachen.

Bei erhöhten Risiken kommen zusätzliche Prüfungen nach § 15 GwG hinzu.

Das rechtfertigt jedoch nicht automatisch jede beliebig lange Kontoeinschränkung.

Bei einer anwaltlichen Prüfung ist zunächst festzustellen, ob lediglich ein einzelner Zahlungseingang betroffen ist oder sämtliche Verfügungen über das Konto verhindert werden.

Danach sind die konkrete Vertragslage, die verlangten Unterlagen und mögliche gesetzliche Hindernisse zu beurteilen.

Gegebenenfalls kann eine schriftliche Stellungnahme den tatsächlichen Sachverhalt erläutern. Bei fortdauernden Einschränkungen sind weitergehende rechtliche Schritte zu prüfen.

Bargeld aus London mitbringen: Zwei Grenzen beachten

Wer Bargeld statt einer Banküberweisung transportiert, muss unterschiedliche Zollvorschriften berücksichtigen.

Bei der Ausreise aus Großbritannien nach Deutschland sind Barmittel ab 10.000 Pfund grundsätzlich beim britischen Zoll anzumelden.

Für Nordirland gelten teilweise abweichende Regelungen.

Bei der Einreise in die Europäische Union besteht zusätzlich eine Anmeldepflicht für Barmittel ab 10.000 Euro.

Beide Pflichten bestehen unabhängig voneinander.

Eine Zollanmeldung ersetzt außerdem nicht die Dokumentation, aus welchem Geschäft oder Vermögensvorgang das Bargeld stammt.

AWV-Meldung: Muss die Überweisung der Bundesbank gemeldet werden?

Nach § 67 AWV können bestimmte grenzüberschreitende Zahlungen von mehr als 50.000 Euro meldepflichtig sein.

Entscheidend ist dabei nicht allein, dass das Geld aus England stammt.

Maßgeblich sind insbesondere die Beteiligten und der wirtschaftliche Zahlungsgrund.

Überweisungen zwischen eigenen Konten sind grundsätzlich von dieser Zahlungsmeldepflicht ausgenommen.

Bei Zahlungen aus einer britischen Limited, einer Erbschaft oder einem anderen Rechtsverhältnis muss die Meldepflicht dagegen gesondert beurteilt werden.

Die AWV-Meldung ist weder eine Genehmigung der Überweisung noch ein steuerlicher Unbedenklichkeitsnachweis.

Rechtsanwalt für Mittelherkunftsnachweis England und Vereinigtes Königreich

Eine problematische Überweisung aus Großbritannien lässt sich nur sinnvoll aufarbeiten, wenn Zahlungsweg, Eigentumsverhältnisse und rechtlicher Auszahlungsgrund getrennt untersucht werden.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Über mein seit 2021 betriebenes Fachangebot mittelherkunftsnachweis.de biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung an, wenn Ihr Geld aus England nicht ankommt, eine Bank umfangreiche Herkunftsnachweise verlangt oder Ihr deutsches Konto eingeschränkt wurde.