Kanzlei für Digital-
und Wirtschaftsrecht
Mittelherkunft und Geldwäscherecht

Nach dem Brexit zurück nach Deutschland: Was mit britischen Konten, Immobilienerlösen und Altersvorsorge geschieht

Veröffentlicht am 13.10.2026 –

Ein Konto bei Barclays, eine Immobilie in Manchester, Aktien in einem britischen ISA oder eine betriebliche Altersvorsorge aus London: Wer Vermögen im Vereinigten Königreich aufgebaut hat, steht beim Transfer nach Deutschland vor mehreren rechtlichen Fragen.

Das eigentliche Risiko liegt häufig nicht in der Überweisung selbst, sondern in der falschen Einordnung des Geldes. Ein Immobilienverkauf, eine Pensionsauszahlung und die Rückführung privater Ersparnisse sind rechtlich unterschiedliche Vorgänge.

Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht. Seit 2021 betreibe ich mittelherkunftsnachweis.de. Dort können Sie Ihren Fall online oder per E-Mail für eine kostenfreie Ersteinschätzung einreichen.

Beginnen Sie mit dem Auszugsdatum – nicht mit dem Überweisungsauftrag

Bei einem Umzug aus Großbritannien nach Deutschland sollte zuerst feststehen, wann Ihre steuerliche Ansässigkeit wechselte.

Das britische Steuerjahr beginnt am 6. April und endet am 5. April des Folgejahres. Unter bestimmten Voraussetzungen wird das Umzugsjahr steuerlich aufgeteilt. Dieses Verfahren heißt Split-Year Treatment.

Für die Einordnung verwendet die britische Finanzverwaltung HM Revenue & Customs (HMRC) den Statutory Residence Test.

Sichern Sie deshalb Mietverträge, Beschäftigungsnachweise, Reisedaten und gegebenenfalls Ihre britische Steuererklärung.

Warum ist das wichtig? Eine Auszahlung nach dem Umzug kann auf Vermögen beruhen, das bereits Jahre zuvor entstanden ist. Der Zahlungseingang allein entscheidet nicht über die Besteuerung.

Die britische Non-Dom-Regelung wurde abgeschafft: Betrifft Sie das?

Seit dem 6. April 2025 gelten im Vereinigten Königreich grundlegend veränderte Regeln für ausländische Einkünfte und Gewinne.

Die frühere steuerliche Remittance Basis für sogenannte Non-Doms wurde durch ein ansässigkeitsbezogenes System ersetzt.

Für bestimmte neu zuziehende Personen gibt es ein vierjähriges Foreign Income and Gains-Regime. Dafür ist unter anderem eine vorherige mindestens zehnjährige steuerliche Nichtansässigkeit erforderlich.

Für Personen, die Großbritannien verlassen, können Übergangsregelungen und frühere Besteuerungszeiträume relevant bleiben.

Mein Rat: Vermischen Sie ältere, bereits versteuerte Guthaben nicht gedanklich mit aktuellen Kapitalerträgen. Dokumentieren Sie, wann die einzelnen Vermögensbestandteile entstanden sind.

Wie lässt sich britisches Arbeitsvermögen überzeugend belegen?

Ein langjähriges Beschäftigungsverhältnis in London kann zu erheblichen Rücklagen führen.

Für den Nachweis eignen sich insbesondere die jährlichen P60-Bescheinigungen, die Einkünfte und abgeführte Lohnsteuer dokumentieren.

Beim Ausscheiden aus einem Arbeitsverhältnis kann außerdem das P45 relevant sein.

Bei Bonuszahlungen, Aktienvergütungen oder Abfindungen benötigen Sie gegebenenfalls zusätzliche Arbeitgeberabrechnungen.

Stellen Sie die jährlichen Nettoeinkünfte den wesentlichen Spar- und Investitionsvorgängen gegenüber.

Fehlen ältere Bankauszüge, können die Beschäftigungs- und Steuerunterlagen helfen, die Vermögensentwicklung dennoch plausibel zu erklären.

Warum ist ein britisches ISA kein gewöhnliches Sparkonto?

Das Individual Savings Account (ISA) ist ein steuerlich begünstigtes britisches Anlagekonto.

Für das Steuerjahr 2026/2027 beträgt die reguläre jährliche Einzahlungsmöglichkeit grundsätzlich 20.000 Pfund.

Nach einem Wegzug und dem Verlust der britischen Steueransässigkeit dürfen grundsätzlich keine neuen Beiträge mehr geleistet werden; bestimmte Ausnahmen gelten etwa für berechtigte Staatsbedienstete.

Ein bestehendes ISA kann jedoch grundsätzlich weitergeführt werden.

Entscheidend: Die britische Steuerbegünstigung bedeutet nicht automatisch, dass Erträge nach einem Umzug nach Deutschland steuerfrei bleiben.

Bei einer späteren Auszahlung sollten Sie zwischen eingezahltem Kapital, Dividenden und Veräußerungsgewinnen unterscheiden.

Eine Wohnung in London verkauft: Welche Abrechnung benötigt die Bank?

Bei Immobiliengeschäften in England und Wales übernimmt häufig ein Conveyancing Solicitor die rechtliche Abwicklung.

Der Kaufpreis gelangt dabei regelmäßig zunächst auf ein Mandantenkonto.

Anschließend werden beispielsweise bestehende Hypotheken, Gebühren und sonstige Verbindlichkeiten beglichen.

Das wichtigste Dokument für den späteren Mittelherkunftsnachweis ist deshalb häufig das Completion Statement.

Diese Schlussabrechnung zeigt, wie aus dem vereinbarten Kaufpreis der tatsächlich ausgezahlte Betrag wurde.

Ergänzend empfehle ich den Kaufvertrag, Eigentumsnachweise des HM Land Registry und den Kontoauszug über den Nettoerlös.

Welche Steuerfrist gilt beim britischen Immobilienverkauf?

Bei bestimmten Verkäufen britischer Wohnimmobilien muss eine Capital Gains Tax-Meldung innerhalb von 60 Tagen nach dem steuerlich maßgeblichen Abschlussdatum erfolgen.

Für nicht im Vereinigten Königreich ansässige Verkäufer bestehen besondere Meldepflichten, die auch bei fehlender Steuerzahlung relevant sein können.

Prüfen Sie deshalb vor der Auszahlung, ob eine entsprechende Meldung an HMRC erforderlich ist.

Bei einem Verkauf nach dem Wegzug nach Deutschland kann außerdem deutsches Steuerrecht eingreifen.

Wichtig: Die britische 60-Tage-Frist ist keine Frist für die Überweisung des Kaufpreises. Es handelt sich um eine steuerliche Verpflichtung.

England, Schottland oder Nordirland: Warum unterscheiden sich die Unterlagen?

Das Vereinigte Königreich besitzt keine vollständig einheitliche Immobilien- und Nachlassrechtsordnung.

Für schottische Immobilien sind andere Register- und Vertragsverfahren relevant als für Grundstücke in England und Wales.

Auch Nachlassverfahren unterscheiden sich.

In England und Wales kann ein Grant of Probate die Befugnis eines Testamentsvollstreckers belegen. Ohne Testament kommt gegebenenfalls ein Grant of Letters of Administration in Betracht.

In Schottland spielt dagegen das Verfahren der Confirmation eine zentrale Rolle.

Beschaffen Sie deshalb stets die Unterlagen aus dem tatsächlich zuständigen Landesteil.

Britische Erbschaft: Wann dürfen Sie das Geld überhaupt erhalten?

Nach einem Todesfall wird das Vermögen nicht zwangsläufig sofort an die Erben ausgezahlt.

Zunächst müssen die berechtigten Nachlassverwalter festgestellt und gegebenenfalls Nachlassverbindlichkeiten sowie Steuern abgewickelt werden.

Für die deutsche Empfängerbank sind insbesondere Erbnachweis, Nachlassabrechnung und die konkrete Auszahlung entscheidend.

Seit April 2025 richtet sich die britische Erbschaftsteuer bei bestimmten Auslandsvermögenswerten stärker nach der langfristigen steuerlichen Ansässigkeit statt nach dem früheren Domizilkonzept.

Dabei kann eine langjährige britische Ansässigkeit auch nach dem Wegzug noch steuerliche Folgen haben.

In Deutschland sollten Sie zusätzlich die mögliche Erbschaftsteuer und die Anzeigepflicht nach § 30 ErbStG prüfen.

Können Eltern aus Birmingham 100.000 Pfund steuerfrei schenken?

Das lässt sich nicht allein anhand des Überweisungsbetrags beantworten.

Britische Schenkungsregelungen und die deutsche Schenkungsteuer sind getrennt zu betrachten.

Insbesondere bei größeren Zuwendungen können die britischen Regeln über Schenkungen innerhalb bestimmter Zeiträume vor dem Tod des Schenkers relevant werden.

Für Deutschland kommt es unter anderem auf Wohnsitz, Verwandtschaftsgrad, Freibeträge und frühere Zuwendungen an.

Ich empfehle eine schriftliche Schenkungserklärung sowie Belege darüber, wie der Geldgeber das Vermögen erworben hat.

Bei einem Darlehen benötigen Sie dagegen einen nachvollziehbaren Rückzahlungsanspruch. Eine nachträglich erfundene Darlehensvereinbarung schafft keine rechtssichere Lösung.

Britische Pensionsansprüche: Weshalb eine Auszahlung nicht immer möglich ist

Das Vereinigte Königreich kennt unterschiedliche Formen betrieblicher und privater Altersvorsorge.

Bei einem Defined Contribution Pension Scheme hängt die spätere Leistung grundsätzlich vom vorhandenen Vorsorgevermögen und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Bei einem Defined Benefit Scheme stehen dagegen zugesagte Versorgungsleistungen im Vordergrund.

Ein Umzug nach Deutschland führt nicht automatisch dazu, dass Sie das gesamte Kapital sofort ausgezahlt bekommen.

Prüfen Sie zunächst, ob eine Auszahlung, ein Verbleib im britischen System oder eine Übertragung auf eine andere Vorsorgeeinrichtung vorgesehen ist.

Was bedeutet QROPS – und weshalb können 25 Prozent Steuer anfallen?

Bei einer grenzüberschreitenden Übertragung britischer Pensionsansprüche spielt das System der Qualifying Recognised Overseas Pension Schemes (QROPS) eine wichtige Rolle.

Nicht jede deutsche Altersvorsorgeeinrichtung erfüllt diese Anforderungen.

Bei bestimmten Übertragungen kann eine britische Overseas Transfer Charge von 25 Prozent entstehen.

Ob eine Ausnahme greift, hängt unter anderem vom Wohnsitz, dem Sitz der empfangenden Vorsorgeeinrichtung und dem verfügbaren Übertragungsfreibetrag ab.

Eine Übertragung auf eine nicht entsprechend qualifizierte Einrichtung kann noch gravierendere steuerliche Folgen haben.

Lassen Sie deshalb vor jedem Transfer die konkrete Vorsorgeeinrichtung und die steuerlichen Voraussetzungen prüfen.

Was passiert mit einer britischen Limited nach dem Umzug?

Wer Anteile an einer britischen Limited Company (Ltd.) hält, muss zwischen privatem und gesellschaftlichem Vermögen unterscheiden.

Eine Auszahlung aus der Gesellschaft kann beispielsweise eine Dividende, ein Geschäftsführergehalt, eine Darlehensrückzahlung oder ein Liquidationserlös sein.

Bei größeren Beträgen empfehle ich, die einschlägigen Companies-House-Unterlagen, Gesellschafterbeschlüsse und Jahresabschlüsse bereitzuhalten.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Geschäftsleitung nach Deutschland verlagert wurde. Dadurch können sich eigenständige gesellschafts- und steuerrechtliche Fragen ergeben.

Der britische Firmensitz allein entscheidet nicht über sämtliche deutschen Steuerpflichten.

Pfund oder Euro: Welche Überweisungsart ist sinnvoll?

Das Vereinigte Königreich gehört weiterhin zum SEPA-Zahlungsraum, obwohl es die Europäische Union verlassen hat.

SEPA-Überweisungen werden grundsätzlich in Euro ausgeführt.

Bei einem britischen Pfundkonto ist deshalb zu klären, ob die Umrechnung bereits in Großbritannien oder erst bei der deutschen Empfängerbank erfolgen soll.

Vergleichen Sie den tatsächlich angebotenen Wechselkurs, nicht nur die sichtbare Überweisungsgebühr.

Bei einem Vermögen von 500.000 Pfund können kleine Kursunterschiede erhebliche Auswirkungen haben.

Bewahren Sie die Umrechnungsabrechnung auf, damit sich die endgültige Eurogutschrift nachvollziehen lässt.

Bargeld im Reisegepäck: Welche Grenzen gelten nach dem Brexit?

Wer 10.000 Pfund oder mehr zwischen Großbritannien – also England, Schottland oder Wales – und einem Staat außerhalb des Vereinigten Königreichs transportiert, muss dies beim britischen Zoll deklarieren.

Für Nordirland gelten teilweise andere Regeln, insbesondere im Verhältnis zur Europäischen Union.

Bei der Einreise aus Großbritannien in die EU müssen Barmittel ab 10.000 Euro angemeldet werden.

Beide Pflichten sind unabhängig voneinander zu beachten.

Eine Zollanmeldung belegt allerdings nicht automatisch, dass die Gelder aus einer rechtmäßigen und nachvollziehbaren Quelle stammen.

Welche Beträge darf die deutsche Bank überprüfen?

Eine allgemeine Freigrenze für Mittelherkunftsnachweise existiert nicht.

Bereits bei 5.000, 10.000, 15.000, 20.000 oder 25.000 Euro können risikobezogene Rückfragen auftreten.

Dasselbe gilt für 50.000, 75.000, 100.000, 200.000, 500.000 Euro oder eine Million Euro.

Eine Verdachtsmeldung nach § 43 GwG wird nicht automatisch durch einen bestimmten Überweisungsbetrag ausgelöst.

Entscheidend sind die konkreten Umstände.

Bestimmte grenzüberschreitende Zahlungen von mehr als 50.000 Euro unterliegen außerdem der Meldepflicht nach § 67 AWV.

Überweisungen zwischen eigenen Konten sind grundsätzlich ausgenommen. Auch für bestimmte andere Zahlungsvorgänge bestehen Ausnahmen.

Was empfehle ich, wenn die deutsche Bank das Geld zurückhält?

Zunächst sollten Sie klären, ob die Zahlung technisch verzögert wurde oder ob eine geldwäscherechtliche Prüfung stattfindet.

Anschließend empfehle ich eine Dokumentation in drei Teilen: wirtschaftliche Entstehung des Vermögens, rechtlicher Anspruch auf die Auszahlung und tatsächlicher Zahlungsweg.

Dabei können britische Steuerunterlagen, Nachlassdokumente, Immobilienabrechnungen oder Pensionsbescheinigungen eine zentrale Rolle spielen.

Reichen Sie keine widersprüchlichen Erklärungen ein und teilen Sie Zahlungen nicht künstlich auf.

Ich prüfe, welche Unterlagen die deutsche Bank verlangen darf und welche rechtlichen Möglichkeiten bei einer fortdauernden Einschränkung bestehen.

Ihr britisches Vermögen rechtssicher nach Deutschland übertragen

Ob Verkaufserlös aus London, Erbschaft aus Edinburgh, Pensionskapital aus Manchester oder langjährige Ersparnisse aus Birmingham: Entscheidend ist eine Dokumentation, die zur tatsächlichen Entstehung Ihres Vermögens passt.

Als Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht unterstütze ich Sie bei der rechtlichen Einordnung und Aufbereitung Ihrer Herkunftsnachweise sowie bei bankrechtlichen Schwierigkeiten.

Über mittelherkunftsnachweis.de, das ich seit 2021 betreibe, können Sie Ihren Fall online oder per E-Mail schildern.

Nutzen Sie meine kostenfreie Ersteinschätzung, bevor fehlende britische Unterlagen oder ungeklärte Zahlungswege die Verfügung über Ihr Vermögen erschweren.