Mittelherkunftsnachweis bei Simplex: Welche Nachweise verlangt werden und wie Sie richtig reagieren
Ein Selbstständiger kauft seit Jahren gelegentlich Kryptowährungen. Nun möchte er über Simplex einen größeren Betrag investieren. Das Geld ist legal verdient und auf seinem Bankkonto vorhanden. Trotzdem stockt der Vorgang: Im Rahmen der Prüfung soll er Angaben zu seiner Source of Funds, seinem Einkommen und seiner beruflichen Situation machen. Später werden sogar Belege verlangt. Das Problem: Seine Einnahmen schwanken monatlich, Kunden zahlen auf unterschiedliche Rechnungen und einen klassischen Gehaltszettel besitzt er als Unternehmer nicht.
Was reicht jetzt als Mittelherkunftsnachweis für Simplex? Müssen sämtliche Geschäftseinnahmen offengelegt werden? Und was passiert, wenn die Angaben im Fragebogen nicht zu den eingereichten Dokumenten passen? Simplex veröffentlicht hierzu ungewöhnlich konkrete Vorgaben, die Betroffene kennen sollten.
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann und befasse mich mit meiner Kanzlei WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht schwerpunktmäßig mit Mittelherkunftsnachweisen, Herkunftsnachweisen und Vermögensherkunft bei Geld und Kryptowährungen. Wenn Simplex Ihre Geldherkunft prüft, können Sie mir den Sachverhalt über mittelherkunftsnachweis.de oder per E-Mail schildern. Dort biete ich eine kostenfreie Ersteinschätzung für Betroffene an.
Was versteht Simplex unter einem Mittelherkunftsnachweis?
Simplex verwendet hierfür den Begriff Source of Funds Check. Vereinfacht gesagt soll belegt werden, dass das für eine Transaktion verwendete Geld aus einer legitimen Quelle stammt.
Wie Crypto.com mit Source-of-Funds-Prüfungen umgeht, erfahren Sie in unserem separaten Beitrag.
Als Beispiele nennt Simplex unter anderem Gehalt, Unternehmensgewinne und Bankdarlehen. Der Anbieter begründet diese Prüfung mit regulatorischen Anforderungen, Betrugsprävention und dem Schutz der Nutzer.
Damit ist eine Source-of-Funds-Prüfung mehr als eine Frage nach Ihrem aktuellen Kontostand. Entscheidend ist die wirtschaftliche Quelle des Geldes.
Der Simplex-Fragebogen fragt mehr als nur die Geldquelle ab
Eine Besonderheit bei Simplex ist der Fragebogen, der nach den aktuellen Informationen grundsätzlich beim ersten Kauf beziehungsweise Verkauf vorgesehen ist.
Dabei wird zunächst nach dem Zweck der Nutzung gefragt. Anschließend sollen Nutzer einschätzen, wie viele Transaktionen sie monatlich erwarten und welches monatliche Volumen in Euro voraussichtlich erreicht wird.
Danach folgen Angaben zur Source of Wealth beziehungsweise Source of Funds, zum Beschäftigungsstatus und zum monatlichen Einkommen. Arbeitnehmer sollen zusätzlich angeben, in welcher Branche sie beschäftigt sind. Zum Abschluss wird unter anderem nach dem Status als politisch exponierte Person – PEP – gefragt.
Warum Sie diesen Fragebogen nicht nebenbei ausfüllen sollten
Viele Nutzer betrachten solche Fragen als Formalität. Das kann später problematisch werden. Die Angaben bilden ein wirtschaftliches Profil, mit dem spätere Transaktionen verglichen werden können.
Wer beispielsweise ein erwartetes monatliches Volumen von 2.000 Euro angibt und kurze Zeit später wesentlich größere Summen bewegt, kann mit zusätzlichen Prüfungen rechnen. Das bedeutet nicht, dass die größere Transaktion verboten wäre. Sie weicht lediglich vom zuvor angegebenen Profil ab.
Mein Tipp lautet deshalb: Geben Sie realistische Informationen an. Schätzen Sie weder Einkommen noch geplante Transaktionen künstlich niedriger oder höher ein.
Simplex verlangt den Herkunftsnachweis nach eigenen Angaben nur gelegentlich
Nicht jeder Nutzer muss sofort umfangreiche Finanzunterlagen einreichen. Simplex erklärt, dass ein tatsächlicher dokumentenbasierter Source-of-Funds-Nachweis nur in bestimmten Fällen verlangt wird.
Kommt es dazu, existiert allerdings eine recht konkrete Liste möglicher Dokumente.
Welche Unterlage passt, hängt wiederum davon ab, wie das Geld tatsächlich verdient oder erworben wurde. Genau deshalb sollte zuerst die tatsächliche Mittelquelle bestimmt und erst danach nach Dokumenten gesucht werden.
Arbeitnehmer können drei Monatsabrechnungen verwenden
Wer sein Geld aus einem Arbeitsverhältnis bezieht, hat meist eine vergleichsweise einfache Ausgangslage.
Simplex nennt als möglichen Herkunftsnachweis die Gehaltsabrechnungen der letzten drei aufeinanderfolgenden Monate. Alternativ kann eine schriftliche Bestätigung des Jahresgehalts durch den Arbeitgeber in Betracht kommen.
Auch Kontoauszüge der letzten drei aufeinanderfolgenden Monate können relevant sein, wenn darauf regelmäßige Einkünfte wie Gehalt, Pension, Dividenden, Darlehen oder andere Einnahmen erkennbar sind.
Auch eine Steuererklärung kann die Mittelherkunft unterstützen
Eine weitere von Simplex ausdrücklich genannte Möglichkeit ist die persönliche Steuererklärung des letzten Steuerjahres.
Das kann gerade dann interessant sein, wenn Einkommen nicht ausschließlich aus einem monatlichen Festgehalt besteht. Steuerunterlagen können einen übergeordneten Überblick über die wirtschaftliche Situation geben.
Trotzdem sollte immer geprüft werden, welche konkrete Frage Simplex gestellt hat. Eine Steuererklärung beantwortet nicht automatisch jede Frage zur Herkunft eines bestimmten Transaktionsbetrags.
Unser Selbstständiger braucht andere Belege als ein Arbeitnehmer
Kehren wir zum Ausgangsfall zurück. Unser Nutzer kann keine drei Gehaltsabrechnungen einreichen, weil er selbstständig tätig ist.
Simplex nennt für Selbstständige ausdrücklich Rechnungen über erbrachte Leistungen aus den vergangenen drei Monaten als mögliche Nachweise. Dazu soll ein Kontoauszug kommen, aus dem hervorgeht, dass die entsprechenden Zahlungen tatsächlich auf dem Bankkonto eingegangen sind.
Das ist ein gutes Beispiel für eine Beweiskette: Die Rechnung erklärt, warum der Selbstständige Geld erhalten hat. Der Kontoauszug bestätigt anschließend den tatsächlichen Zahlungseingang.
Simplex berücksichtigt auch Dividenden und Pensionen
Die Mittelherkunft muss keineswegs immer klassisches Arbeitseinkommen sein. In den veröffentlichten Anforderungen nennt Simplex beispielsweise auch Dividenden und Pensionen als mögliche Einkommensquellen.
Entscheidend bleibt die Nachvollziehbarkeit. Wer seinen Lebensunterhalt überwiegend aus Kapitalerträgen bestreitet, sollte dies nicht fälschlicherweise als „Gehalt“ bezeichnen, nur weil diese Kategorie vermeintlich einfacher erscheint.
Die wirtschaftliche Erklärung und die eingereichten Dokumente sollten zusammenpassen. Bei erheblichen Summen kann ein Anwalt für Mittelherkunftsnachweise vorab prüfen, ob die vorhandenen Unterlagen die angegebene Vermögensquelle tatsächlich stützen.
Auch ein Bankdarlehen kann Source of Funds sein
Ein häufig übersehener Punkt: Geliehenes Geld kann ebenfalls eine erklärbare Mittelquelle darstellen. Simplex nennt ausdrücklich ein Darlehen einer Bank als Beispiel für Source of Funds.
Dabei sollte allerdings sauber zwischen eigenem Einkommen, angespartem Vermögen und Fremdkapital unterschieden werden. Ein Darlehen ist wirtschaftlich etwas anderes als Ersparnisse.
Wer verschiedene Quellen miteinander vermischt, sollte deshalb zunächst eine kurze Übersicht erstellen: Welcher Betrag stammt aus welchem Ursprung und welcher Teil wird für die konkrete Transaktion verwendet?
Simplex unterscheidet Identität, Adresse, Zahlungsmittel und Geldherkunft
Ein Herkunftsnachweis ist nicht dasselbe wie die normale KYC-Prüfung. Simplex unterscheidet ausdrücklich zwischen der Verifizierung von Identität, Adresse, Zahlungsmethode und Source of Funds.
Bei der Identitätsprüfung können beispielsweise ein Ausweisdokument und ein Selfie verlangt werden. Simplex setzt für bestimmte Identitätsprüfungen einen externen Verifizierungsdienst ein und verlangt dabei teilweise Live-Aufnahmen des Dokuments und des Gesichts.
Wer bereits seinen Ausweis erfolgreich eingereicht hat, hat damit also noch keinen Mittelherkunftsnachweis erbracht. Beide Prüfungen verfolgen unterschiedliche Zwecke.
Warum auch die erwartete Nutzung von Simplex wichtig ist
Simplex fragt nicht zufällig nach der Anzahl erwarteter Transaktionen und dem monatlichen Gesamtvolumen.
Geldwäscheprävention funktioniert heute stark risikobasiert. Neben der Identität eines Nutzers können deshalb beispielsweise Transaktionsmuster, geografische Faktoren und weitere Risikomerkmale berücksichtigt werden.
Auch eine später ungewöhnlich schnelle Bewegung von Geldern kann für Compliance-Systeme interessant sein. Deshalb sollte die eigene Darstellung nicht nur für den Moment plausibel sein, sondern den tatsächlichen Nutzungsabsichten entsprechen.
Simplex verlangt eine Wallet unter eigener Kontrolle
Bei Kryptokäufen kommt noch eine weitere Besonderheit hinzu. Simplex weist darauf hin, dass Kryptowährungen grundsätzlich an eine Wallet-Adresse gesendet werden sollen, die der Nutzer selbst und ausschließlich kontrolliert.
Das ist zunächst keine klassische Source-of-Funds-Frage. Trotzdem kann die Wallet im Gesamtzusammenhang einer Kryptotransaktion relevant sein.
Für Betroffene ist deshalb eine klare Trennung hilfreich: Wer kontrolliert die Wallet? Woher stammt das Fiatgeld? Und wie wurde gegebenenfalls bereits vorhandenes Kryptovermögen erworben? Diese drei Fragen können unterschiedliche Nachweise erfordern.
Simplex speichert verschiedene Daten zu Fiat- und Kryptotransaktionen
Im Rahmen seiner regulatorischen und vertraglichen Prozesse verarbeitet Simplex unterschiedliche Informationen über Zahlungen.
Bei Fiattransaktionen können dazu unter anderem Betrag, Währung, externe Bankverbindungen und der Verwendungszweck gehören. Bei Kryptowährungen können beispielsweise Betrag, Coin beziehungsweise Token und Wallet-Adresse erfasst werden.
Hinzu können technische Informationen wie IP-Adresse und Gerätestandort kommen. Eine Herkunftserklärung sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden: Finanzdienstleister können einen Vorgang anhand verschiedener Informationen einordnen.
Dokumente auf Englisch können die Bearbeitung erleichtern
Simplex gibt einen praktischen Hinweis, der für deutsche Nutzer leicht übersehen werden kann: Wenn die Möglichkeit besteht, sollen Unterlagen für eine schnellere Bearbeitung auf Englisch eingereicht werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes deutsche Dokument zwingend übersetzt werden muss. Simplex formuliert dies vielmehr als Bitte für den Fall, dass eine englische Version verfügbar ist.
Bevor Sie auf eigene Kosten umfangreiche Übersetzungen anfertigen lassen, sollte deshalb geklärt werden, was im konkreten Fall tatsächlich benötigt wird.
Was tun, wenn die Angaben bereits widersprüchlich sind?
Problematisch kann es werden, wenn im Fragebogen beispielsweise ein bestimmtes Einkommen genannt wurde, die später eingereichten Unterlagen jedoch ein deutlich anderes Bild zeigen.
Das muss nicht zwingend bedeuten, dass falsche Angaben gemacht wurden. Einkommen kann schwanken, berufliche Situationen können sich verändern und Vermögen kann aus mehreren Quellen stammen.
Statt hektisch neue Erklärungen abzugeben, sollte der Unterschied nachvollziehbar aufgearbeitet werden. Bei größeren Beträgen oder bereits abgelehnten Transaktionen kann eine Kanzlei für Mittelherkunft und Herkunftsnachweise dabei unterstützen.
Was passiert nach dem Simplex-Fragebogen?
Nach den Angaben von Simplex werden die Antworten des Nutzers geprüft. Danach kann die gewünschte Kauf- beziehungsweise Verkaufstransaktion fortgesetzt werden.
Die Prüfung kann allerdings auch dazu führen, dass ein Kauf oder Verkauf abgelehnt wird. In diesem Fall soll der Nutzer sowohl eine entsprechende Anzeige als auch eine Benachrichtigung per E-Mail erhalten.
Gerade deshalb lohnt es sich, die Angaben von Beginn an sorgfältig zu machen. Die Angaben zu Beruf, Einkommen, Mittelherkunft und erwarteter Aktivität sollten ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
Vorsicht vor angeblichen Simplex-Mitarbeitern
Ein Herkunftsnachweis enthält äußerst sensible Daten. Kontoauszüge, Steuerunterlagen und Einkommensinformationen sollten deshalb nicht an beliebige Personen geschickt werden.
Simplex beziehungsweise Nuvei warnt ausdrücklich vor Betrügern, die sich als Mitarbeiter ausgeben. Insbesondere unaufgeforderte Kontakte über WhatsApp oder andere Drittanbieter-Dienste können ein Warnsignal sein. Auch Passwörter oder PIN-Codes werden von echten Mitarbeitern nicht auf diesem Weg verlangt.
Besonders verdächtig ist die Aufforderung, zunächst Geld oder Kryptowährungen zu überweisen, um ein Guthaben „freizuschalten“. Eine echte Mittelherkunftsprüfung sollte niemals mit einer solchen Zahlung verwechselt werden.
So bereiten Sie Ihren Mittelherkunftsnachweis für Simplex vor
Schreiben Sie zunächst auf, welche Geldquelle tatsächlich für die Transaktion verwendet wird. Unterscheiden Sie beispielsweise zwischen Gehalt, selbstständigem Einkommen, Dividenden, Pension, Darlehen und anderen Einnahmen.
Prüfen Sie anschließend, welche offiziellen Unterlagen diese Erklärung unterstützen. Vergleichen Sie danach die Beträge und Informationen mit Ihren bereits gegenüber Simplex gemachten Angaben zu Einkommen, Beschäftigung und geplantem Transaktionsvolumen.
Erst wenn diese Informationen zusammenpassen, sollten die Dokumente eingereicht werden. Bei einer komplexen Vermögenssituation kann ein spezialisierter Rechtsanwalt für Mittelherkunftsnachweise helfen, die Herkunft zunächst strukturiert zu rekonstruieren.
Rechtsanwalt für Mittelherkunftsnachweis bei Simplex
Ein Mittelherkunftsnachweis bei Simplex kann insbesondere bei Selbstständigen, Unternehmern, größeren Kryptotransaktionen oder mehreren Einkommensquellen erklärungsbedürftig werden. Auch alte Kryptowährungen, ungewöhnliche Zahlungseingänge und erhebliche Abweichungen vom bisher angegebenen Transaktionsvolumen können die Dokumentation anspruchsvoller machen.
Ich bin Rechtsanwalt Martin Wehrmann und beschäftige mich mit meiner Kanzlei WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht schwerpunktmäßig mit Mittelherkunftsnachweisen, Herkunftsnachweisen und Vermögensherkunft für Geld, Kryptowährungen und Edelmetalle sowie mit entsprechenden Fragen gegenüber Banken, Finanzdienstleistern, Finanzamt und im Zusammenhang mit dem Geldwäschegesetz.
Wenn Simplex von Ihnen einen Source-of-Funds-Nachweis, Mittelherkunftsnachweis oder weitere Informationen zur Herkunft Ihres Geldes oder Vermögens verlangt, können Sie mir Ihren Fall über mittelherkunftsnachweis.de oder per E-Mail schildern. Dort erhalten Sie eine kostenfreie Ersteinschätzung von Rechtsanwalt Martin Wehrmann. Als Anwalt und Spezialist für Mittelherkunftsnachweise prüfe ich, wie sich Ihre individuelle Geld- und Vermögensherkunft nachvollziehbar und widerspruchsfrei aufbereiten lässt.